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Jen$iert!

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Wanted! Eine Aktie, die unser Überleben rettet

One fd-read a day keeps poverty away: Es ist nicht immer leicht, sich aufzuraffen. Erst recht wenn’s ums Geld geht! Kat€ hat nachgefragt: Welche grüne Aktie liegt dir aktuell besonders am Herzen und warum? Im Rendite-Talk verrät Privatanleger und Financial Diva Analyst Jens Will, welcher Wert auf eine nachhaltige Watchlist gehört. Der Börsianer und dreifache Vater gibt uns regelmäßig ehrliche Einblicke über seine Machenschaften. Seine Leidenschaft? Im Börsendschungel sucht er täglich nach waghalsigen Rendite-Abenteuern. Die Elementarteile seiner Geldanlage sind Aktien. Bei Jens vergeht kein Tag, ohne dass er nicht an der Börse unterwegs ist. 

So machst du dein Depot Umwelt-fit

“Grün, grün, grün sind alle meine Aktien”  – Kat€

Text: Jens Will

Mein Anliegen? Ich stelle dir einen nachhaltigen Wert vor, der dein Depot hellgrün erleuchten lässt. Und ja. Mit Kryptowährungen und E-Mobility Start-ups kannst du dein Geld vielleicht in drei Wochen verachtfachen. Gekauft. Aber es ist nicht länger zu leugnen. Grün ist die Farbe der Saison. Schüler schwänzen gemeinsam mit Eltern und Wissenschaftlern jeden Freitag um die Wette. Sie alle haben ein Ziel: Politik und Wirtschaft zu Zugeständnissen ökologischer Art überreden. Auch an der Börse ist grün en vogue. Damit sind nicht die zahlreichen Cannabis-Startups gemeint. Fakt ist: die riesen Greta-Thunberg-Community sorgt für einen gewaltigen Sturm, der in Richtung Weltwirtschaft aufzieht. Zieh dich warm an, schwänze Schule oder demonstriere einfach still und heimlich mit einem grünen Depot mit. Keine Angst. Politisch wird’s nicht. Du sollst nur vorbereitet sein. Denn aktuell wird ein Sturm geboren und könnte mit einem Inferno am Markt enden. Aber es besteht ein Lichtblick. Es gibt bereits eine Menge Firmen mit grünem gewinnbringendem Inhalt. Mit der Encavis AG haben wir euch bereits einen großen Betreiber von Ökostrom Anlagen aufgezeigt. Nun wollen wir uns dem Thema CO² Neutraler Verkehr zuwenden.

Grün, grün, grün

Pack den Zucker in den Tank! Gönn dir davor zunächst einen Drink. Wie wär’s mit B52? Das Gesöff nennt man auch „Bifi“. Der Clou an dem Drink? Man kann ihn anzünden. Die hübsche blaue Flamme über dem Gläschen ist für so manchen Zimmerbrand mitverantwortlich… Zumindest war das Zeug früher total angesagt und der Kater am Morgen danach war ein gespenstischer Moment mit der aufflammenden Erkenntnis:  Alkohol, genauer „Ethanol“ ist brennbar und in ihm steckt eine Menge Energie. Die Idee des alkoholischen Brennstoffs (= Spiritus) ist keineswegs neu. Sobald die Menschen im Mittelalter angefangen hatten, Schnaps zu brennen, war ihnen explosionsartig bewusst, welches Risiko sie mit Ethanol und Methanol eingingen.

Gut festhalten! Das ist Teufelszeug

Die erste Lektion führte im Mittelalter direkt in den Abgrund: Zahlreiche Legenden von „Teufelsanbetern“ und Alchimisten, die im Flammenmeer zur Hölle fuhren, stammen aus jener Zeit – übrigens auch die „Doktor Faust“ Story. Relativ neu ist hingegen die Idee, Otto- und Dieselkraftstoffe mit Alkohol zu strecken. Als im Jahr 2011 der E10 Kraftstoff eingeführt wurde, hat die damalige Politik dem Umweltgedanken allerdings einen Bärendienst erwiesen. Eine miserable Aufklärungskampagne hatte zur Folge, dass in sozialen Medien die Gerüchte über negative Auswirkungen von E10 nur so ins Kraut schossen.

Und heute?

Die EU Länder wollen nicht und sie schaffen es nicht, sich auf verbindliche Quoten bei der E10 Verwendung zu einigen. Dabei wäre die Sache so einfach zu erklären. Weniger CO²-Klimakiller Ottokraftstoff verbrennen. Wie? Indem man den Verbrennern mehr Bioethanol zuführt. Da dieses Produkt klimaneutraler ist, sinkt der Ausstoß an CO². Gleichzeitig fällt die Abhängigkeit von Rohöl. Und die Landwirte hätten eine neue, sprudelnde Geldquelle. Mit einer langsamen Anhebung der Quote hätten Hersteller von Motoren genügend Zeit, ihre sensiblen Triebwerke an die neuen Gegebenheiten anzupassen. Eine tolle WinWin-Situation? Wir werden sehen…

Haftungsausschluss & Disclaimer: Jens Will hält zur Zeit der Veröffentlichung dieses Beitrags keine der auf finanzdiva.de vorgestellten Aktien, Fonds, ETFs.Die Inhalte auf finanzdiva.de wollen keine spezifischen Anlage-Empfehlungen geben und enthalten lediglich allgemeine Hinweise. Autoren, Herausgeber und die zitierten Quellen haften nicht für etwaige Verluste, die aufgrund der Umsetzung ihrer Gedanken und Ideen entstehen.  

Süße Rendite mit Cropenergies?

Der größte Hersteller von Bioethanol in Europa heißt cropenergies und kommt aus der Nähe von Mannheim. Als „Spin-off“ der Südzucker AG sind 70% der Anteile immer noch in den Händen der Mutter. Cropenergies stellt Bioethanol aus Zuckerrübensirup, Mais, Gerste und Weizen her. Diese stärkehaltigen Rohstoffe werden in Reaktoren zu Ethanol vergoren. Die dabei anfallenden „Gärreste“ werden zu proteinhaltigem Viehfutter weiter verarbeitet. Es fallen also quasi keine Abfälle an. Die Vorteile von Ethanol liegen auf der Hand. Der entstehende Treibstoff ist für die Umwelt relativ ungiftig und lässt sich flüssig tanken. Bioethanol hat das Potenzial, unsere Abhängigkeit von fossilen Kraftstoffen dramatisch zu reduzieren. Gleichzeitig wäre dieser Brennstoff auch eine saubere Lösung für die Luftfahrt. Denn Jet-Triebwerke sind im Vergleich zu Kolbenmotoren ziemliche „Allesfresser“. Anders als bei Kolbenmotoren muss kein Luftgemisch erzeugt und kein Flammpunkt kontrolliert werden. Der Kraftstoff wird schlicht eingeblasen und von selbst gezündet. Hier kann man durch technische Anpassungen mit einer hohen Ethanol-Beimischung viel erreichen. Auch Schiffsdiesel sind wegen geringer Drehzahlen wenig anfällig gegen einen hohen Anteil Ethanol.

Der Teller-Tank-Konflikt

Oooh jaaaa! Der ist hier ausgeprägt. Aus Weizen macht man Brot und keinen Kraftstoff ! Und wer will, kann sich mit dem Küchenmesser auf sein Brot hinterher noch eine Ladung Rübensirup streichen. Wenn Bioethanol aus Nahrungsmitteln hergestellt wird, dann werden wir über kurz oder lang auf neue Probleme stoßen. Ein Anstieg der Getreidepreise und eine Shit-Storm-Diskussion über die Moral, wertvolle Nahrungsmittel buchstäblich zu verbrennen werden blitzschnell durch die sozialen Medien rasen. Über dieses Problem ist man sich bei cropenergies durchaus bewusst. Deshalb wird hier eifrig geforscht. Zunächst sollen der Produktion auch Abfallstoffe wie Stroh und Holzreste zugeführt werden. Später könnten dann vor allem Abfälle wie Laub und Kompost verarbeitet werden. Ob der Prozess auch in Zukunft ganz ohne Nahrungsmittel abläuft, das wird sich zeigen. Der eingeschlagene Weg erscheint jedoch richtig.

Die Vorteile des Bioethanols auf einen Blick

  • Wollen wir eine Reduzierung des CO² -Ausstoßes mit Augenmaß, dann ist eine kontinuierliche Anhebung des Bioethanol Anteils der goldene Weg. Ein „Plus“ des Bioethanol-Anteils im Ottokraftstoff um beispielsweise 0,5 Vol. % pro Jahr wäre ohne Komforteinbußen jederzeit möglich. Die Kapazität wäre da. 
  • Anders als Elektroautos dauert der Tankvorgang genauso lange wie bei einer herkömmlichen Befüllung an der Tankstelle.
  • Wir benötigen kein Lithium, Kobalt oder sonstige Metalle, die unter prekären Verhältnissen gefördert werden.
  • Wir helfen der gebeutelten Landwirtschaft wieder auf die Beine
  • Die Technologie der Motoren ist erforscht, optimiert und etabliert.

Und die Nachteile…

  • Derzeit noch eine hohe Abhängigkeit von Nahrungsmitteln (Teller-Tank-Diskussion)
  • Der Anbau der Rohstoffe als Monokultur benötigt viel Pflanzenschutzmittel und ist nicht CO² -neutral. Maishechsler und Erntefahrzeuge hinterlassen einen ordentlichen CO² Footprint. 
  • Bei der Verbrennung von Bioethanol fallen weiterhin auch Stickoxide und Abgase in Innenstädten an.
  • Ethanol ist ein wahres Teufelszeug. Kommt es zum Brand, dann sind die Flammen bei Tageslicht fast unsichtbar. Unfälle mit Ethanol gefährden die Rettungskräfte, da sich Brandherde optisch kaum einschätzen lassen.

Die Power-Aktie im Visier

Und tschüss, Südzucker! Die cropenergies AG wurde im Jahr 2006 von Südzucker abgespalten und für 7,56 € an die Börse gebracht. Das nenne ich finanzipiert. Seither hat die Aktie eine wüste Achterbahnfahrt hinter sich. Mal ging es auf 10 Euro rauf, dann wieder auf 3 Euro runter. Das KGV rast von 10 auf 50 und dann kommt es auch mal wieder zu Verlustjahren. Dividenden werden mal gestrichen, dann wieder überschwänglich ausbezahlt. Aus Investorensicht ist das Papier in der Vergangenheit ein wahrer Alptraum gewesen. Und der Blick in die Zukunft ? Der ist genauso schleierhaft. Die Kursentwicklung spiegelt das Resultat der desaströsen EU Klimapolitik wieder. In der EU kocht eben jeder sein eigenes Süppchen. Die Quote der Ethanol Beimischung ist in der EU maximal uneinheitlich. Selbst in Deutschland gibt es weiterhin die Möglichkeit E10 oder E5 Benzin zu kaufen. Gerüchte und Verschwörungstheorien, E10 sei schlecht für den Motor, geistern durch soziale Medien und haben bis heute zu einer geringen Akzeptanz geführt. Hinzu kommt, das die EU es zulässt, das bis ins Jahr 2030 Palmöl als „Biosprit“ in den Kraftstoff gemischt werden darf. Dieses Produkt ist wesentlich günstiger als nachhaltiges Bioethanol. Wer Näheres über die Nachhaltigkeit von Palmöl erfahren möchte, möge doch diesen Suchbegriff bei google eingeben und staunen.  Auch deshalb wartet die Firma cropenergies weiterhin auf Ihren Durchbruch. Über Wasser hält man sich derzeit mit hochreinem Alkohol für die Kosmetikindustrie und – wie schon erwähnt – mit Tierfutter. Die Verschuldung liegt beim 3 – Fachen EBITA. Das ist noch im Rahmen, mehr sollte es aber nicht mehr werden.

Ende gut alles gut? Das Fazit

Shit happens. An der Aktie lässt sich haargenau ablesen, wie ernst es der EU mit der Klimapolitik wirklich ist. Anstelle von Gigainvestitionen in E-Auto Flotten, Batteriewerke und umweltfeindliche Lithium und Kobaltminen wäre der Focus auf nachhaltiges Bioethanol sinnvoller. Vorhandene Infrastrukturen könnten genutzt werden und man dürfte auch 2030 noch in die Karibik ohne “Flugscham” fliegen. Sollte die EU eines fernen Tages auch zu dieser Erkenntnis kommen, dann dürfte die Aktie von cropenergies plötzlich viral gehen. Oder soll ich sagen „steil“? Wenn alles so bleibt wie es ist, dann Finger weg von diesem Papier. Mutige Investoren mit Hang zur „Pferdewette“ können gerne bei dieser – an sich tollen – Idee einsteigen. Als Basisinvestment rate ich dazu, einen gebührend großen Bogen um das Papier zu machen. Leider, leider.

…to be continued…

Es ist 5 vor 12: Dein Depot kann Bienen retten. Jens verrät dir, wie

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