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Augen auf bei der Partnerwahl!

Kat€’s Berufs-Check 

Man sollte potenzielle Heiratskandidaten weg von Investmentbankern, Patentanwälten und Sachbearbeitern hin zu Pizzabäckern, Heizungsinstallateuren und Orthopäden verlegen.

Es gibt Berufsgruppen, die sich täglich selbst versichern müssen, dass ohne sie die westliche Zivilisation in ihren Grundfesten auseinanderbricht. Was würden wir nur OHNE Politiker,  Datenschützer, Brandschutzbeauftragte, Scheidungsanwälte, Priester, Steuerberater, Qualitätssicherer und Schalterbeamte in städtischen Behörden machen? Wo kämen wir denn da hin, wenn es in der Welt keine Warteschlangen, Denkfabriken, Mietkautionen, Parktickets, Datenschutz-Schulungen, Steuererklärungen und Wahlbetrügereien mehr gäbe? Wahrscheinlich wäre ein substanzieller Teil der Bevölkerung arbeits- und beschäftigungslos. Nahrung, Wohnraum, Sicherheit, Gesundheit könnten weiterhin produziert und angeboten werden. Aber es wäre niemand mehr da um zu prüfen, ob die Banane echt „biologisch“ ist.

Wie aus dem nichts kam die berühmte „Wanderhure“ in Gestalt privater Krankenhauskonzerne ums Eck.

Insbesondere unter dem Hintergrund einer steigenden Staatsverschuldung und einem abgewanderten Produktionssektor scheinen wir uns mehr und mehr in eine Dienstleistungsgesellschaft zu verwandeln. Ähnlich sieht es im Bereich unserer oft so hochgelobten Gesundheitsversorgung aus.  Dummerweise hat man damit eine räumliche Überversorgung der ländlichen Bevölkerung geschaffen. In der Kombination mit dem Ausbleiben relevanter medizinischer Behandlungsfälle und der Unfähigkeit von Krankenhausvorständen rentabel zu arbeiten, wurden viele regionale Krankenhäuser in die Insolvenz getrieben.

Was macht ein Politiker, wenn ein Krankenhaus mehrere Millionen Euro Defizit im Jahr erwirtschaftet und seine politische Verantwortung, Arbeitsplätze und Wählerstimmen daran hängen? Er geht den Weg des geringsten Widerstandes und macht damit alles noch viel schlimmer. Wie aus dem nichts kam nämlich die berühmte „Wanderhure” in Gestalt privater Krankenhauskonzerne ums Eck und bot den Volksvertretern an, die maroden Krankenhäuser für einen symbolischen Euro zu kaufen. Alle Arbeitsplätze blieben erhalten, die Sicherstellung der medizinischen Versorgung wird garantiert und das Haushaltsdefizit löst sich für das betreffende Bundesland in Luft auf. Wer könnte da schon widerstehen?

Ich bin weit davon entfernt als Sozialist zu gelten, nur sind manche Bereiche des Lebens zu wichtig um sie den Kapitalisten zu überlassen.

Foto ©Photogenika.de

Jeder Mensch, der im Gesundheitswesen arbeitet, soll hierfür ein ausreichendes Einkommen erhalten. Hier war aber doch niemals ein Profit in Höhe von 30 Prozent für einen privaten Klinik-Konzern eingerechnet!!! Kurzfristig ist es und mittelfristig kann es sein, dass die Profite der privaten Träger weiterhin sprudeln. Dies ist insbesondere dem Abbau von Arbeitsplätzen und unrentablen medizinischen Fachabteilungen, dem Austritt aus Tarifverträgen und den besseren Einkaufsrabatten als Großkunde bei Pharmaunternehmen zu verdanken. Aber was wird passieren, wenn die Profite einbrechen? Sobald man das soziale System bis auf den letzten Cent ausgequetscht hat wird das Krankenhaus, welches man ursprünglich für einen symbolischen Euro erworben hatte, im besten Falle geschlossen und die Immobilie an eine Investorengruppe verkauft werden.

Im schlimmeren Fall wird man den Krankenhauskonzernen die maroden Klinikgebäude zu einem überteuerten Preis wieder abkaufen und der Allgemeinheit die Rechnung dafür erneut präsentieren.

Folglich können hieraus ein paar praktische Verhaltensweisen abgeleitet werden:

  1. Aktien von privatisierten ehemaligen Staatsunternehmen sind durchaus interessant. Man muss jedoch den Zeitpunkt abpassen wenn „der Laden“ gegen die Wand gefahren wird und der Steuerzahler zum zweiten Mal tief in die Tasche greifen darf.
  2. Man sollte den persönlichen Freundeskreis und potenzielle Heiratskandidaten weg von Investmentbankern, Patentanwälten und Sachbearbeitern hin zu Pizzabäckern, Heizungsinstallateuren und Orthopäden verlegen. Die haben vielleicht auch irgendwann keine Arbeit und kein Geld mehr, aber so sitzt man zumindest mit seinem eingegipsten Arm in der warmen Wohnung und hat etwas Leckeres zu essen.

Herzliche Grüße,

Eure Kat€

Diese Kolumne erschien im Materialist Magazin #4 / 2/2017

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