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Deutschland. Ein düsteres Steuermärchen.

Deutschland. Ein düsteres Steuermärchen.

Deutschland. Ein düsteres Steuermärchen.

Noch ein kurzer Quickie zum Wochenende. Corona ist endgültig besiegt. Und jetzt heißt es: Wirtschaft aufbauen. Nach Jahrzehnten des Booms und sprudelnder Steuereinnahmen ist wie bereits mehrmals von mir prophezeit nichts übrig geblieben. Niemand weiß mehr genau wo die Rücklagen des Exportweltmeisters geblieben sind. Und jetzt müssen wir adhoc neue Schulden in Höhe von einem Drittel bis der Hälfte des Bundeshaushaltes aufnehmen. Aber keine Sorge. Es soll ja diesmal jeder etwas davon haben. Insbesondere die Generationen nach uns. Zumindest hat man sich politisch eine erneute Kaufprämie alleine für Autos verkneifen können.

Ach du heilige S***teuersenkung

Dafür senkt man kurzfristig die Umsatzsteuer von in der Regel 19% auf 16%. Das ist grundsätzlich mal eine echt gute Idee. Wenn ich hätte wetten müssen, wäre ich nämlich davon ausgegangen, dass genau das Gegenteil gemacht wird und die Kosten der Krise mit der Umsatzsteuer finanziert werden. Diese ist nämlich eine der unsolidarischsten Steuern, die wir haben. Denn: Sie begünstigt Vermögen und Verdienst viel mehr und belastet kleine Vermögen überproportional.

Ein Beispiel

Angenommen ein Mensch konsumiert abzüglich der Miete für 1000€ im Monat Güter, auf die die Umsatzsteuer angerechnet werden. Bei einem Haushaltsüberschuss von 1500€ im Monat netto verglichen mit 10.000€ im Monat bedeutet es Folgendes: Der Niedrigverdiener zahlt auf 66% seines Einkommens erneut eine Steuer – die Umsatzsteuer – wohingegen der Besserverdiener auf gerade mal 10% zur Kasse gebeten wird. Kurz: Je mehr man verdient, auf desto weniger Einkommen wird die Umsatzsteuer erhoben, vorausgesetzt man legt ein ähnliches Konsumverhalten zugrunde. Die einzige Hoffnung des Staates ist, dass Spitzenverdiener das Geld auch überproportional ausgeben. Allerdings liegt das wiederum in der Entscheidung des Einzelnen.

Hart aber fairer

Fairer wäre es doch, niedrige und mittlere Einkommen steuerlich zu entlasten. Auf der anderen Seite könnte man hohe Einkommen, Kapitalerträge und Erbschaften steuerlich weitaus mehr belasten. Dann wäre es auch für Geringverdiener einfacher, Vermögen aufzubauen, anstatt den Gewinn im Konsum suchen zu müssen.

Die bittere Wahrheit

Die Ersparnis von 3% der Umsatzsteuer wird vielleicht noch bei Luxusgütern und natürlich Autos an den Endverbraucher weitergegeben. Dort fällt die Einsparung nämlich sichtlich auf. Wer ein Auto für 100.000€ erwirbt, wird gerne die Ersparnis von 3.000€ annehmen. Selbstverständlich wissen aber Käufer und Verkäufer über den aktuellen Bonus. Angenommen ein vermögender Mensch hätte so oder so das Auto für 100.000€ gekauft, wird die Anschaffung nun aus gegebenen Gründen nur vorgezogen. Die 3000€ Ersparnis zahlt der Staat aus dem Steuersäckchen, da er auf die Einnahmen verzichtet. Übrigens ist das der gleiche Staat, der aus den Steuerboomjahren der letzten Jahre keine Rücklagen gebildet hat und jetzt mehrere 100 Milliarden Euro auf Kosten der Kinder und Kindeskinder anschreiben lässt. Aber glücklicherweise sind es seit Jahrzehnten eh nur noch Zahlen und Papier, die niemanden mehr interessieren. Hauptsache, die Wirtschaft macht theoretisch wieder Umsatz.

Rechne doch mal!

Eine Wette zum Schluss. Wir sind ein Land von Sparfüchsen und Pfennigfuchsern. Wir lieben unsere 1,99€ und 0,49€ Preise. Angenommen ein Verbrauchsartikel wie Zigaretten, Zeitschriften, Butter, Gemüse, Textilerzeugnisse oder Milch kostet aktuell 1,99€. Sofern hierauf aktuell der volle Umsatzsteuersatz von 19% entfällt, handelt es sich um gerundet 0,38€. Wenn man jetzt eine neue Umsatzsteuer von 16% ansetzt, sind dies noch gerundet 0,32€. Wird der Artikel jetzt im Supermarkt für 1,93€ angeboten werden? Glauben sie das ernsthaft? Der Supermarkt weiß, dass wir auf Preise von 1,99€ konditioniert sind und auch bereit sind 1,99€ zu zahlen. Wird also die Supermarktkette die Ersparnis an den Endverbraucher weitergeben oder den Preis um 3% anheben und sich die Senkung der Umsatzsteuer selbst einverleiben? Für den Endverbraucher sind es ein paar Cent. Für die Handelskette geht es aber schnell um Millionen. Es wäre also quasi schon vermessen, auf das Wechselgeld zu pochen und eine Handelskette um den Millionenbonus zu bringen.

Erst runter, dann rauf. Wetten dass?

Interessant wird es auch dann, wenn die Umsatzsteuer wieder auf 19% gehoben wird. Oder der Einfachheit halber gleich auf 20% oder 25%. Der Aufschlag wird nämlich mit Freuden an den Endverbraucher weitergegeben. Sollte jemand diese Wette halten wollen, gerne Meldung an mich. Ich wette übrigens nur um Taschentücher und Klopapier. Die wohl härtesten Währungen unserer Zeit. In diesem Sinne, schönes Wochenende, deine Kat€

Zeit für eine Kaffeepause!

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