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München ohne Wies’n!


„Es werd koa Wiesn gebn, mia wern des überlebn“

2020 gibt’s kein Oktoberbest aber einen imaginären Wiesn-Hit, den du hier mitsingen kannst: zum Video

In dieser fd-Kolumne erfährst du, warum Börsen-Jen$ das oktoberfestlose Jahr ziemlich egal sein könnte. Und warum es ihn trotzdem tief erschüttert.

©Photogenika.de
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Text: Jens Will

„Es werd koa Wiesn gebn, mia wern des überlebn“ singt ein lustiger Zottelbär mit Western Gitarre zur Melodie von Mary Hopkins „Those were the days my friend“ – und er tanzt dabei fröhlich mit ein paar Kellnern und Security Mitarbeitern vor der Bavaria in München auf und ab.

Jen$ ärger dich doch!

Ich will ja kein Spielverderber sein. Und man sollte solch einfach gestrickter Unterhaltung auch keinesfalls irgendwelche größere oder gar intellektuelle Bedeutung zu messen. War bestimmt nicht böse gemeint. Persönlich werde ich die Wiesn, wie all die Jahre zuvor, auch dieses Jahr KEIN Fitzelchen vermissen. Zum einen ist ein Besuch des Oktoberfestes für einen X-fachen Familienvater wie mich teurer als ein zweiwöchiger Skiurlaub in Davos. Ok, das war jetzt vielleicht etwas übertrieben. Soo teuer ist die Schweiz ja nun auch wieder nicht…

Diesem exzessiven Wiesn Besäufnis und dem Landhausmoden-Catwalk konnte ich in den letzten Jahren immer weniger abgewinnen. Immer unpersönlicher, abgebrühter und ungemütlicher wurde das Fest seit der 90er Jahre. Die Preisleistung wechselte von „unverschämt“ rapide auf „bodenlos“. Alle paar Schaltjahre mal mit Arbeitskollegen einen Abend auf der Theresienwiese versumpfen und eine Maß Bier zum Preis einer Flasche Single Malt zu konsumieren, das hat gereicht um meine persönliche Wiesn Sonne am Leuchten zu halten. Deswegen frage ich mich, warum mich die Nachricht von der Absage des Festes kürzlich so tief erschüttert hat. Mein erster Gedanke war, dass die Corona Pandemie nun endgültig zu irreversiblen Schäden führt.


Hält man die 30 Milliarden Jahresumsatz der Heineken Gruppe neben den Wiesn Umsatz, dann schrumpft dieser auf die Promillezahl eines alkoholfreien Radlers zusammen.

Das Menetekel, das nichts mehr so sein wird, wie „vor Corona“, nahm für mich schlagartig Gestalt an. Doch bevor wir „Schwarz“ sehen, …Werfen wir mal einen Blick zurück über die Schulter der Geschichte: Es braucht schon viel, damit die Bayern ihrer Wiesn mal den Laufpass geben. Der erste und der zweite Weltkrieg waren so Ereignisse die ein Oktoberfest ein paar mal verhindert haben. Im 19. Jahrhundert gab es auch ein paar Absagen wegen Cholera, sozusagen das Corona Vorgänger Ereignis. Insgesamt 24 Wiesn fielen zwischen 1810 und 2019 sozusagen in die Isar, rein statistisch geht also jedes 8. Oktoberfest in die Lederhos‘n. Dennoch ist der 25. Ausfall des größten Volksfestes der Welt dieses Jahr eine ganz und gar andere Liga. Denn war die Wiesn bis in die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts tatsächlich nur ein Volksfest unter vielen, so ist der jährliche Brauch mittlerweile für die bayrische Landeshauptstadt ein fester Wirtschaftsfaktor geworden, auf den sich ganze Branchen jedes Jahr vorbereiten wie indische Landwirte auf den Monsun.

Ein Ausfall ist da einfach nicht mehr einkalkuliert und kaum verkraftbar. Und es ist in den letzten Jahren tatsächlich keinem noch so ambitionierten Versuch mehr gelungen, das Fest ausfallen zu lassen. Dem schweren Bombenattentat von Gundolf Köhler im Jahr 1980 gelang eine endgültige Absage ebenso wenig wie den Terroranschlägen von 2001 und diversen angedrohten Attentaten islamistischer Terrorgruppen in den letzten 15 Jahren. Die Wiesn fand statt, mal eingezäunt, mal bei miesem Wetter, aber doch stets pünktlich, meist ziemlich friedlich und vor allem lukrativ für alle Veranstalter.

1,2 Milliarden !

1,2 Milliarden Euro Umsatz entgehen den Veranstaltern durch die diesjährige Wiesn Absage – Das ist für viele nur eine Zahl. Eine Zahl die einem angesichts der Beträge die sich unsere Staatenlenker und Politiker derzeit um die Ohren hauen, fast schon lächerlich anmutet. Alleine die Rettung der Lufthansa soll 10 Milliarden verschlingen und Donald Trump und die EU rechnen grundsätzlich nur noch in Billionen. In einschlägigen, sozialen Medien geht ohnehin längst die Meinung um, die Wiesn Macher sind eh reich genug und der Mandelbuden-Besitzer wird schon durch den Winter kommen. Er hat ja genug Mandeln. Als leidenschaftlicher Investor gruselt es mich aber vor platten Allgemeinplätzen aus dem www. Ich blicke gerne hinter die Zahlen. Wer will, der kann mit mir gemeinsam mal hinter den 1.200.000.000 Euro Vorhang schauen und die Auswirkung auf die Lieferketten, menschlichen Schicksale und Auswirkungen auf eure und unsere Jobs, Zukunft und Aktien werfen.

Vorhang auf!

Blicken wir doch erstmal auf die finanziellen Fakten:Wer hat am Milliarden Kuchen den größten Anteil ? Die Wiesn Wirte vermutlich. Das sind eigentlich ziemlich verschwiegene Menschen und sie posten Ihre Geschäftszahlen natürlich nicht auf Facebook. Es wird geschätzt, das kleinere Festzelte wie die Fischer-Vroni oder der Marstall zwischen 3 und 5 Mio Euro Umsatz in den 16 Tagen machen. Die größeren Zelte wie das Hackerzelt und der Schottenhammel kommen so auf etwa 10 mio Umsatz. Eine „unfreiwillige Steuererhebung“ beim Wiesn Wirt Sepp Krätz im damaligen Hippodrom im Jahr 2013 hatte ergeben das von 5 mio € Umsatz etwa 2,5 Mio. Euro Gewinn für den Wirt abfielen. Kein schlechtes Einkommen für 16 Tage Stress und durchgelatschte Haferlschuhe.

Insgesamt dürften tatsächlich nicht mehr als 100 mio Euro des Umsatzes auf die Wiesn Wirte entfallen. Aber auch nicht weniger. Um die Wirtsfamilien muss man sich in der Tat keine Sorgen machen, die meisten von Ihnen sind gemachte Leute, haben privat umfangreichen Immobilienbesitz in bester Lage und betreiben neben ihrem Oktoberfest Business noch lukrative andere Unternehmungen – Sie und Ihre Familien siedeln seit Generationen auf der Sonnenseite des Lebens. Nicht falsch verstehen, ich empfinde diesen Menschen gegenüber keinen Neid und ziehe den Hut vor ihrem Fleiß – aber auch mein Mitgefühl hält sich in engen Grenzen.


Einzig das Hofbräu Bier und der kleine Augustinerbräu dürften sich streng genommen noch als „bayrisch“ bezeichnen.

Laut Google-Suche ist Bayern Bier und Bier ist Bayern. Tatsächlich sind von den sechs vertretenen „bayrischen Brauereien“ nur noch zwei Stück bayrisch. Paulaner und HackerPschorr sind Marken der niederländischen Heineken Gruppe (49,9%). Löwenbräu und Spaten gehören zur gigantischen belgisch-amerikanischen AnheuserInBev. Einzig das Hofbräu Bier und der kleine Augustinerbräu dürften sich streng genommen noch als „bayrisch“ bezeichnen. Der Umsatz für die Brauereien auf dem Oktoberfest ist tatsächlich total armselig. 6 Mio. Maß Bier, verkauft für etwa 70 Mio. Euro spülen gerade mal etwas mehr als 4,5 Mio. Euro Umsatz in die Kassen von InBev, Heineken, Inselkammer und Schörghuber. Abzüglich der brachialen Ausgaben für Werbung und Öffentlichkeitsarbeit fahren alle 6 Brauereien unterm Strich mit jeder Wiesn einen tüchtigen Verlust ein. Hält man die 30 Milliarden Jahresumsatz der Heineken Gruppe neben den Wiesn-Umsatz, dann schrumpft dieser auf die Promillezahl eines alkoholfreien Radlers zusammen. Das größere Geschäft machen die Brauereien in der Zeit vor der Wiesn mit frei verkäuflichem Wiesn Starkbier im flachen Land. Dieser Umsatz ist durch Corona aber nicht gefährdet. Man braucht nicht davon ausgehen, das die Menschen weniger Bier trinken, nur weil die Wiesn ausfällt. Eher das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Auch die Brauereien „wern des (also) Überlem“

Wer zahlt die Zeche?

Werfen wir mal einen Blick auf die Wies’n Stromrechnung. An einem kühlen Wies’n Abend, wenn die Riesenräder, Achterbahnen und Bierzelte ihre bunten Lichter und Heizpilze einschalten, dann wird die „Peak“ Leistung erreicht. 400 kW Strom braucht ein Wiesn Zelt in etwa, größere Fahrgeschäfte kommen auf den gleichen Betrag. Rund 3 Mio: Kilowattstunden Strom werden in den Wiesn Tagen lt. Wikipedia verbraucht. Es wäre jetzt ein leichtes für mich, diese nichtssagende Zahl auf „Haushalte“, „50 Zoll Fernseher“ oder „beheizbare Goldfischaquarien“ umzurechnen. Aber das würde diese unhandliche Zahl nicht anschaulicher machen. Fakt ist, in den letzten Septembertagen des Jahres ist es in Bayern keinem Stromversorger langweilig. Selbst die immer-müden „UniperGasblöcke von Irrsching sind in diesen Tagen am Netz. Zieht man aber EEG Umlagen, Steuern etc. ab, dann bleiben für E-ON und die Stadtwerke zusammen nicht mal 140.000 € pro Wiesn hängen. Umsatz, wohlgemerkt. Da möchte man ja fast ein Spendenkonto einrichten. Aus Sicht von E-ON, RWE, Uniper und co. könnte die Wiesn also bequem die nächsten 1000 Jahre ausfallen, das würde die Kursentwicklung nicht die Bohne interessieren.

The biggest Loser…

Wer also zahlt denn nun die große Zeche? Wen trifft es nun am härtesten, wer hat unser Mitleid wirklich verdient ? Um zu verstehen wie hart München tatsächlich von der Wiesn getroffen wird, muss man tatsächlich tiefer eintauchen in die Lieferketten. Da wären zum einen mal die Schausteller. Wer auf der Festwiese sein Karussell aufstellen will, der sollte schon was spektakuläres bieten. Die sog. „Wiesn Neuheiten“ sind High-end Fahrgeschäfte die extra für dieses Volksfest konzipiert werden. Die Wiesn ist außer „Volksfest“ eben auch eine Leistungsshow für die großen Maschinenbau Schmieden, die solche technischen Wunderwerke konzipieren und produzieren. Die Vorlaufzeit für so ein Gerät liegt je nach Komplexität zwischen 6 Monaten und 3 Jahren. Vom ersten Konzeptentwurf über die begleitende Finanzierung bis zur Auslegung der Antriebe und des Stahlbaus ist es ein weiter und teurer weg. Je nach Größe der Installation ist ein zweistelliger Millionenbetrag fällig bis der TÜV mit dem Kopf nickt und dem Gerät Tauglichkeit bescheinigt. Zum fertigen Freefalltower oder WildwasserRollercoaster muß jetzt noch ein Umfangreicher Fuhrpark aus diversen Sattelaufliegern und Zugmaschinen angeschafft werden. Denn kein Schausteller kann es sich leisten ein solches Gerät für nur ein einziges Volksfest anzuschaffen. Gleich einem Wanderzirkus ziehen diese Schausteller mit Ihrem Fahrgeschäft von Volksfest zu Volksfest, je nach Größe und Rüstzeit des Fahrgeschäfts auf kleinen oder ganz großen Veranstaltungen.

Fazit

Und hier offenbart sich das größte Problem für diese Unternehmer. Selbst wenn die Familien „HeitmannSchneider“ (Wildwasserbahn Poseidon), „Barth“ (5er Looping) und „Willenborg“ (Riesenrad) die Wiesn- Absage eventuell überleben würden. Durch Corona sind derzeit alle Volksfeste in Europa abgesagt. Und das wird sich nach momentaner Lesart auch bis Ende August nicht ändern. Im September ist die Saison dann quasi gelaufen, denn die rettende Wiesn, der Saisonhöhepunkt findet ja nicht statt und ansonsten kommt nicht mehr viel wo es sich lohnen würde, die vielen tausend Euro für einen wochenlangen Aufbau zu stemmen. Diese Schausteller, deren Kapitaldecke traditionell ohnehin dünn ist, stehen vor einer mindestens einjährigen Nullrunde. Keinerlei Einkommen aber brutale Zinslasten, Lohnkosten und Unterhaltskosten der rostenden Fahrgeschäfte und Fuhrparks. Sollte hier nicht ein Wunder geschehen, dann werden diese Familien reihenweise in die Insolvenz wandern.

Kein Happy End?

Für die Wiesn 2021 und die nächsten Jahre ist das alles ein nachhaltiger und irreversibler Schaden. Denn die Wiesn Neuheiten der Saison 2020 lassen sich nun nicht mehr einfach abbestellen. Und eine insolvente Schaustellerfamilie findet nicht mehr einfach so auf die Beine. Die Fahrgeschäfte werden erstmal gepfändet und dann vermutlich teilweise verschrottet. Eine 50×20 Meter Wildwasserbahn mit 10 Aufliegern und eigenem Kranwagen lässt sich in Krisenzeiten nicht mal eben bei Ebay versteigern – Der Betrieb erfordert Beziehungen, Knowhow und eine gewisse Lebenseinstellung. Sowas kann man sich als ambitionierter Neueinsteiger nicht mal eben aus Draht nachbiegen. Ich bin doch sehr gespannt, WER in den folgenden Jahren auf der Wies’n WAS ausstellen wird. Neue Superlative erwarte ich jedoch so schnell keine mehr.

Zefix!

Gemeinsam mit den Schaustellern werden auch die Hersteller dieser Geräte in größte Bedrängnis geraten. Die Firma Huss in Bremen stattet viele Schausteller und Freizeitparks weltweit mit Ihren Geräten wie dem „Breakdancer“ oder dem „Top Spin“ aus. Dieses Geschäft ist im Jahr 2020 vollständig zum Erliegen gekommen. Kunden nehmen ihre bestellte Ware nicht mehr ab, Finanzierungen wackeln, kosten laufen weiter. Huss war im Jahr 2006 bereits einmal insolvent, diese Branche lebt traditionell von der Hand in den Mund. Auch hier geht eventuell mit dem Verlauf der Corona Krise ein wichtiger Player verloren. Auch in München, beim Achterbahnhersteller „Maurer&Söhne“ (Wilde Maus) stehen die Schweißgeräte ungenutzt auf dem Hof, zum Glück ist die Sparte „Amusement Rides“ dort nur Nebeneinkommen. Schausteller und deren Lieferanten werden diese Krise also wohl nicht einfach „Überlem“, das sollte der Barde aus dem eingangs erwähnten Video schon mal wissen.

Dann wären da die zahlreihen Wiesn Bedienungen. Ich rede nicht von den jungen Münchner „Dirndln“ und „Buam“, die eine Saison lang auf der Wiesn Kellnern um sich vom Trinkgeld einen Kleinwagen oder eine Einbauküche für die Wohnung zu finanzieren. Mit den Volksfesten zieht ein gewaltiger Tross von Profikellnern durch die Lande. Diese Menschen ziehen von Volksfest zu Volksfest, wohnen in Behelfsunterkünften und betreiben das Volksfest-Kellnern nicht als Job sondern als Hauptberuf. Einkommen und Trinkgeld in der Saison müssen reichen um im Winter Miete und Auskommen zu finanzieren. Unter Gerhard Schröder nannte man dieses Berufsmodell „ICH-AG“, in diesem Jahr würde es die Bezeichnung „Privat-Insolvenz“ wohl am besten beschreiben. Als selbstständige Kellner haben diese Arbeiter KEINEN Anspruch auf Arbeitslosengeld, Kurzarbeitergeld, Lohnfortzahlung und sind außerdem privat krankenversichert. Alle Kellnerinnen und Kellner aus dem Volksfesttross, die nicht auf einem hohen Berg Geld sitzen, sollten schon mal anfangen, Spargel zu stechen. Denn sie wandern ansonsten ohne Umweg ins „Hartz IV“.

Und übrigens!

Die Hotellerie in München, die seit Monaten im Leerlauf ist – durch abgesagte Messen, Großveranstaltungen und Konzerte – erhält mit der Absage des größten Events des Jahres einen brutalen Stoß in Richtung Abgrund. Sind die Aktien von Marriott, Hilton und Accor schon gewaltig am Wanken, trifft es kleine Familienhotels nun wie eine Keule. Wie refinanziere ich mein Hotel, meine Angestellten und meine Mieten und Zinsen, wenn ich keinerlei Einkommen habe und die Banken mir aufgrund des extremen Risikos kein weiteres Geld leihen? Auch hier wird es Pleiten und private Insolvenzen hageln. Auch die gebeutelte Taxibranche, die das ganze Jahr unter dem halblegalen Preisdumping durch die Ubers und co. leidet, hat es durch Corona derzeit viel schwerer und hätte das Zusatzgeschäft durch die Wiesn sehr dringend benötigt. Das Taxisterben wird hierdurch sicher nicht geringer werden.

Neverending Story

Und dann sind da natürlich zahllose Betriebe, deren Lieferketten seit Jahrzehnten auf Volksfeste wie die Wiesn ausgelegt sind. Die Fesey Schokoladenmanufaktur in Unterhaching stellt die Lebkuchenherzen für Volksfeste und Großveranstaltungen her. Solchen Betrieben fehlt mehr oder weniger nun ein Jahresumsatz. Fischzüchter, die Ihre Forellen und Makrelen für die Volksfestsaison vorgezüchtet hatten, haben nun Absatzprobleme. Auch die Ochsen– und Hühnerzüchter, Schweinemäster und die Lieferanten von Wiesn-Merchandising wie Bierkrügen und „They said I was on Oktoberfest 2020 – but I can’t remember“-T-Shirts leben vom Volksfest Peak der Sommerzeit. Airlines, die Millionen Gäste aus aller Welt jedes Jahr nach München einfliegen, werden dieses Jahr nicht abheben und im Gegenzug ihre Belegschaft dramatisch kürzen. Und auch die Wirte, die auf der kleinen Theresienwiese keinen Platz finden und ihre lokale rund um das Oktoberfest betreiben, profitieren für gewöhnlich von den Gästen, die keinen Platz im Zelt bekommen und dennoch ein paar Bier und einen „Schweinsbrodn“ verzeheren wollen. Als Analyst von Lieferketten könnte ich noch viele, viele Beispiele anführen, welche menschlichen Schicksale mit der Entscheidung der bayrischen Landesregierung verbunden sind. Es steht mir nicht zu, diese Entscheidung anzuzweifeln oder zu hinterfragen – ich bin kein Virologe und muß für meine Entschlüsse nicht hinterher gerade stehen. Ich stelle mich aber auch nicht mit dem Akkordeon auf die Theresienwiese und singe ein Lied darüber, das mit das alles am Gesäß vorbei rutscht. Sowas mache ich nicht. Das macht man nicht. Das ist respektlos und verdammt schlechter Stil.

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