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Let’s talk about Sekt

Let’s talk about Sekt

Sekt Sells

Das Jahr 2019 war ein gutes Börsenjahr – Und wie konnte ich dieses Jahr um Mitternacht eine Sylvesterrakete stilvoller in den Nachthimmel steigen lassen als aus dem eleganten Hals einer grünen Flasche „Nymphenburg Crystal Cabinet“? Kat€ hat mich kürzlich gefragt: Welche hochprozentige Aktie liegt dir besonders am Herzen und warum? Mehr dazu im Rendite-Talk, wo ich verrate, welcher Wert auf eine prickelnde Watchlist gehört. 

Text: Jens Will

©Photogenika.de
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Wanted! Eine Aktie, die mit uns aufs neue Jahr anstößt

Haftungsausschluss & Disclaimer: Jens Will hält zur Zeit der Veröffentlichung dieses Beitrags Aktien der vorgestellten Aktien. Die Inhalte auf finanzdiva.de wollen keine spezifischen Anlage-Empfehlungen geben und enthalten lediglich allgemeine Hinweise. Autoren, Herausgeber und die zitierten Quellen haften nicht für etwaige Verluste, die aufgrund der Umsetzung ihrer Gedanken und Ideen entstehen.  

Um an der Börse ein stabiles Einkommen zu erzielen, sollte man ja verstärkt auf Aktien vertrauen, die einen vorhersagbaren Einkommenszyklus haben. Man will schließlich auch in Krisenzeiten die Chance auf einen geregelten Cashflow haben, gerade weil es in diesen Zeiten finanziell nicht so gut läuft. Also lohnt sich vor dem Kauf der Blick auf das Produkt.   

Es gibt hier  Produkte die unterliegen einem ziemlich festen Zyklus. In der Halbzeit eines Fußball WM Endspiels mit deutscher Beteiligung steigt Beispielsweise schlagartig der Bedarf am Produkt „Leitungswasser“ an.  Millionen Zuschauer*innen (<-my first Genderstar!!) stürmen dann gleichzeitig aufs WC um ihr Bier „weg zu bringen“.

Und steht das Christkind vor der Tür, geht der Zucker- und Stromverbrauch europaweit durch die Decke, weil die Backöfen-Tür-Scharniere vor lauter Auf und zuklappen Funken sprühen – um gewaltige Mengen Truthahn- und Weihnachtsgebäck zuzubereiten.

Kommen wir zur Sache!

Ein mindestens so zyklisches Produkt ist Schaumwein, insbesondere seine „deutsche“ Ausprägung – Sekt. Das ganze Jahr über ein eher konstanter Verbrauch, denn Geburtstagsfeiern und Sektempfänge sind ja statistisch gemittelt. Und dann pünktlich zum Jahreswechsel ein steiler Gipfel. Knapp 285 mio Liter Schaumwein werden in Deutschland jedes Jahr verkauft, also knapp 3,7 Liter pro Kopf. Über ein Siebtel dieses Produktes, nämlich knapp 40 Mio Liter werden alleine in der Sylvesternacht ausgeschenkt. Das sind stolze 0,5 Liter je Bundesbürger, Kleinkinder, Antialkoholiker und Sektverweigerer eingeschlossen. Was ein Besäufnis !

Ob der Sekt dann immer getrunken wird oder nach ein – zwei „Stösschen“ im Blumenkasten endet – darüber schweigt die Statistik. Jedenfalls haben die Sektkellereien in den letzten Wochen des Jahres immer volle Auftragsbücher. In der lautesten Nacht des Jahres denkt keiner an eine Krise. Bevor wir uns der Aktie der Sektkellerei Schloss Wachenheim zuwenden, erstmal ein paar kleine Randnotizen zu einem tollen Produkt mit einer spannenden Geschichte.

Vorhang auf für…

… die Sektkellerei Schloss Wachenheim: Mit Schaumweinen verhält es sich ähnlich wie mit der Mode. Es gibt das lukrative Segment der billigen Massenmode. Und das lukrative Segment der unglaublich teuren Mode. Zwischen Spotbillig und Sauteuer existiert quasi kein Profit. Die Sektkellerei Wachenheim aus der Nähe von Mannheim ist traditionell dem teuren Winzersekt verpflichtet – Sekt den der Winzer aus dem Wein seines eigenen Anbaugebietes herstellt. Das garantiert einen besonders frischen Grundwein und ein relativ ausgewogenes Cuvée. Bereits im Mittelalter wurde in Wachenheim Weinbau betrieben, seit 1880 kam eine Schaumweinfabrik hinzu. 1892 enstand die „Deutsche Schaumweinfabrik AG, Wachenheim“ die Vorgängerin der heutigen „Schloss Wachenheim AG“. Eine der ältesten Aktiengesellschaften Deutschlands, wir sprechen also von einem dokumentierten Trackrecord von bald 130 Jahren. 

©Photogenika.de
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By the way!

Die Weine aus Wachenheim sind traditionell hochwertig und spielen im Luxus-Segment ganz vorne mit. Die Marke „Reichsgraf von Kesselstatt“ (zu 90% im Eigentum der Wachenheim AG) produziert sein 650 Jahren Wein von Weltruf. Ein kompletter Jahrgang der besten Riesling Lage „Josephsdörfer“ ist seit 1912 auf dem Grunde des Atlantik eingelagert. Im Bauch des damals gesunkenen Luxusliners „Titanic“. Vielleicht eine schlüssige Erklärung, warum der Regisseur James Cameron so gerne da hinunter taucht. Für einen Eiswein von Kesselstatt legen Gourmets schon mal 1250 Euro auf den Tisch. Ebenso waren die Sekte von Schloss Wachenheim von jeher eine Marke im gehobenen Preissegment. So wäre es wohl weiter gegangen, hätte ein kapitaler Bilanzbetrug die Firma nicht 1994 geradewegs in die Insolvenz getrieben. Der Vorstand hatte damals mit einer Weingenossenschaft Scheingeschäfte betrieben und in Folge dessen einen Schaden von über 70 mio DM verursacht. Im Geschäftsjahr 1995 war das Eigenkapital der Sektkellerei sogar negativ. Was folgte war ein Neustart, übrigens auch dank dem Weinkenner Rainer Brüderle, der zwischen der Deutschen Bank und dem neuen Eigentümer Nick Reh vermittelte.

Stößchen!

Schloss Wachenheim wurde mit der Billigmarke „Faber-Sekt“ fusioniert. Im Jahr 2000 wurde auch die Münchner Sektkellerei „Nymphenburg“ Teil des Wachenheim Imperiums. Mit diesen Fusionen hat sich die Wachenheim AG in die gesamte Breite des Sektmarktes eingekauft. Mit „Faber“, „Schweriner Burggarten“ und „Nymphenburger“ bedient man die preiswerten Segmente, mit „Feist Belmont“ und „Schloss Wachenheim“ das Mittel und Hochpreisige Segment. Im Rahmen einer Internationalisierung ist man mittlerweile auch in Frankreich und Osteuropa aktiv, die Markern „Opéra“, „Muscador“ oder „Pliska“ kennt hierzulande jedoch kein Mensch. Frankreich und Osteuropa, das klingt übersichtlich.

Die Fast Facts

Alle Angaben ohne Gewähr. Stand 01/2020

WKN: 722900

5-Jahres-Performance: 25%

Dividende: 3,11 %

Der innere Wert

Wer ein Freund von explosiven Kursentwicklungen und rasantem Wachstum ist, der kann um diese Aktie einen respektvollen Bogen machen. Wer hier einen Trend ablesen will, der muß einen gewaltigen Schritt zurück gehen und das Gesamtwerk betrachten. Vor 10 Jahren stand die Aktie bei etwa 6,35 € und steht heute bei etwa 18,00 €. Macht also 195% Kursgewinn. Nicht schlecht, aber das schaffen einige FANG’s in weniger als 12 Monaten. Die Stärke der Aktie liegt eher in der progressiven Ausschüttungspolitik. In den letzten Jahren wurde die Dividende stets stabil gehalten oder leicht erhöht. In den letzten 3 Jahren stagniert die Dividende bei konstant 50 Eurocent – dieses aktionärsfeindliche Verhalten ist dem Schuldenabbau geschuldet. Derzeit beträgt die Verschuldung in etwa dem vierfachen Jahresüberschuss. Das ist nicht bedrohlich aber prizipiell ist der Schuldenabbau der Ausschüttung vorzuziehen.

Das KGV schwankt seit Jahren zwischen 12 und 14. Das ist die gute Nachricht. Der Gewinnzuwachs lässt aber ein paar Wünsche offen…

Jens’ leicht beschwippstes Fazit

Die Schloss Wachenheim Aktie ist tatsächlich etwas für Liebhaber. Der Besitz dieser Aktie drängt sich einem nicht direkt auf und sowohl im Lebensmittel als auch im Spirituosen Bereich gibt es dynamischere Werte. Und dennoch möchte ich eine leise Kaufempfehlung aussprechen. Jeder Aktionär, der gerne mal seine „eigenen Produkte“ kauft, kann einen wohlwollenden Blick auf die Wachenheimer werfen. Derzeit warten die Aktionäre Jahr für Jahr auf eine Rückkehr der Pfälzer in die Wachstumsspur.

Das kann vielleicht sehr schnell gehen, denn im Kern ist die Aktie ein Schnäppchen. Der Buchwert je Aktie notiert mit ca. 25 € deutlich über dem Aktienkurs von gerade mal 15,90 € (Stand 08.01.2020). Ein Geheimtipp ist die Aktie auch bei Freunden der „Naturaldividende“. Denn die Hauptversammlung dient neben dem Vortrag der Zahlen auch der Verkostung der eigenen Sekte und Weine durch die anwesenden Aktionäre. Es ist also dringend angeraten, ein Hotel in der Nähe der Versammlungsräume  zu nehmen oder am besten gleich mit dem Wohnmobil anzureisen. Übrigens findet die Versammlung traditionell im November statt, die Dividende kommt also verpackt als Weihnachtsgeld aufs Girokonto. Wann die Aktie das nächste Mal anspringt und das von Konsens Kursziel von 23 € wieder erreicht, lässt sich nicht voraus sehen. Die Wartezeit wird dem Aktionär aber mit 3 % Dividende versüßt.

Kurz: Das Jahr 2019 war ein gutes Börsenjahr – Und wie konnte ich dieses Jahr um Mitternacht eine Sylvesterrakete stilvoller in den Nachthimmel steigen lassen als aus dem eleganten Hals einer grünen Flasche „Nymphenburg Crystal Cabinet“ ?

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