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Der Contra und PRObleme-Check

Der Contra und PRObleme-Check

So findest du die Lösung

“Frei nach Herta: Es gibt solche und solche Probleme und dann gibt es noch ganz andere, aber das sind die Schlimmsten!”

Liest du noch oder hörst du schon? Passend zur Kolumne findest du hier den Podcast

Hast du dir schon einmal Gedanken darüber gemacht, wie du an eine Aufgabenstellung herantrittst? In Extremen gedacht gibt es wichtige Fragestellungen mit schwerwiegenden Konsequenzen. Und es gibt unwichtige Probleme. Manche To Dos sind äußerst schnell erledigt und andere brauchen eine lange Bearbeitungsdauer. Diese können jetzt beliebig miteinander kombiniert werden und man erhält quasi ein realitätsnahes Endproblem. Welchen dieser Fragestellungen widmest du dir zuerst? Den wichtigsten, mit den gravierendsten Konsequenzen mit der zugleich längsten Bearbeitungszeit? Oder einem Problem von mittlerer Wichtigkeit, welches aber schnell behoben werden kann? 

Um dich nicht länger auf die Folter zu spannen: Du stellst dich keinem dieser Probleme auf diesem Weg, denn so tickst du nicht. Du stellst dich der Aufgabe, die du kennst und schiebst die Bearbeitung unbekannter Probleme hinaus, selbst wenn diese größere Beachtung bräuchten. Das glaubst du nicht? Wer noch nie eine Steuererklärung eingereicht hat, wird selbst am Tag der Abgabefrist erst einmal mit dem Wohnungsputz beginnen, anstatt die lästigen Formulare auszufüllen. Wer noch niemals eine Sicherung im Haushalt gewechselt hat, wird sein Baby eher im Dunkeln wickeln, als an einen Sicherungskasten heranzutreten. Wir lösen schlichtweg am liebsten bekannte Anforderungen mit vertrauten Strategien. Und wenn das nicht mehr funktioniert, versuchen wir unbekannte Probleme mit verinnerlichten Herangehensweisen zu lösen. Manchmal gehen wir aber auch Aufgaben von nachrangiger Wichtigkeit mit den falschen Strategien nach.

Schlimm wird es insbesondere, wenn man Politiker/in/es (m/w/d) ist und man alles eigenständig gedruckte Geld auf dieser Welt verschwenden kann und nur ein Fall niemals eintreten darf: Man/Frau/Es sollte niemals ohne ein fragwürdiges Ergebnis erscheinen oder gar die gesamte Debatte nochmals von vorne beginnen. Seit kurzem lese ich in allen Stellenanzeigen (m/w/d). Ob dies eine gesamtgesellschaftlich entscheidende Fragestellung war, bleibt abzuwarten. Jedenfalls konnte interessanterweise eine avantgardistische Lösung gefunden werden und die Umsetzung selbiger kam umgehend. Bei der Stickoxid-Abgasdebatte scheinen die Fronten verhärtet und die große Koalition hätte seinerzeit niemals ohne eine Gesundheitsreform vor die Kameras treten dürfen. Bei einem kompletten Neustart hätte man ja sein Gesicht verloren und das ist in politischen Kreisen wohl unbezahlbar.

Ähnlich scheint es gerade in Großbritannien. Niemand hätte gedacht, dass es jemals zu einem Brexit kommen könnte. Die Verantwortlichen haben sich längst aus ihren Ämtern zur Ruhe gesetzt und die aktuellen politischen Führer wären lieber bereit an einem Tag aus der EU auszutreten um am nächsten wieder einzutreten, als ihrem Volk zu erklären, dass ein solcher Austritt gänzlich wider einem vereinten und stabilen Europa ist. Vielleicht sollten wir irgendwann anfangen, Probleme nicht nach dem Erreichen einer Lösung zu bewerten. Nur weil man einen Kompromiss oder eine Lösung für ein Problem „erarbeitet“ hat, bedeutet das noch lange nicht, dass diese Lösung auch dem Problem gerecht wird.
Vielmehr sollte man meiner Meinung nach öfters einmal einen Schritt zurücktreten und bereit sein, von Neuem zu beginnen. Darüber hinaus ist es ratsam, alte Kompromiss- und Lösungsstrategien nicht als gegeben hinzunehmen. 

Stell dir vor, niemand hätte versucht, den Seeweg nach Indien auf der entgegengesetzten Route zu erreichen. Vielleicht wäre der amerikanische Kontinent vielleicht noch heute unentdeckt. Ähnliche Gedanken wünsche ich allen Politikern, die sich gerade eben mit Mauern, Grenzzäunen, Kriegsflüchtlingen, Stickstoffdioxidwerten, Geschlechterrollen, Steuersätzen oder ähnlichem beschäftigen. Manche Lösungen werden der Problemstellung nicht gerecht. Nur weil Zahlen nicht mehr in Statistiken auftauchen oder man sein eigenes Problem zum dem eines anderen Staates macht, bedeutet das weder eine Lösung noch einen Durchbruch. Nationalismus, Regression, Protektionismus und Abschottung sind nicht die Lösungen des 21. Jahrhunderts.

Meine Kolumne erschien im materialist Magazin, Ausgabe 10 (und wurde für finanzdiva.de  leicht abgewandelt)

Schön, dass du vorbei geschaut hast.

Deine Kat€

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