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Die Global Player Kolumne

In einer globalisierten Welt sind finanzielle, ethische und moralische Zusammenhänge  für den Laien oft nicht auf den ersten Blick erkennbar. Nicht umsonst brauchen wir mediale Berichterstattung. Diese arbeitet für uns möglichst unvoreingenommen die wichtigsten Ereignisse des aktuellen Weltgeschehens auf und ordnet sie nach Bedarf auch noch in einen geschichtlichen Kontext ein. So erfahren wir viel über eigentlich irrelevante Eskapaden ausländischer Staatsoberhäupter, kriegerische Auseinandersetzungen in Ländern, von denen wir nicht einmal wissen, wo genau sie auf der Landkarte liegen, Bestechungsvorwürfe gegen ehemalige Helden deutscher Sportbunde. Und nicht zuletzt wird alles garniert von einer Wettervorhersage, die sich erstaunlich oft irrt.

Abgesehen von der Wettervorhersage haben die meisten dieser Nachrichten wenig mit unserem direkten Leben zu tun. Wann und warum aber wurden internationale Nachrichten für unser Befinden wichtiger als regionale Berichterstattung? Ich habe noch niemals in der Tagesschau einen Bericht darüber gesehen, dass in meiner Straße ein neuer Supermarkt eröffnet oder die U-Bahn aufgrund von Wartungsarbeiten heute mal wieder nur mit Schienenersatzverkehr arbeitet, obwohl dies mein Leben deutlich mehr tangieren würde. Man kann sicher sofort entgegnen, dass diese Themen zu regional und geringfügig sind um sie landesweit auszustrahlen. Aber was ist mit den Themen Steuersätze, Rentenniveau, Gesundheitsversorgung, Straßenbau, Innere und äußere Sicherheit, Telekommunikation, Energieerzeugung usw. Sicher wird darüber berichtet und so manch bewundernswerter Leser oder Zuschauer mag sich auch dafür interessieren.

Der Großteil der Konsumenten interessiert sich jedoch anscheinend deutlich mehr für Weltpolitik und die aktuellen Fußballergebnisse, als wer etwaige gönnerhafte Rentenerhöhungen in der Zukunft finanzieren soll. Nicht umsonst sind es genau diese Nachrichten, die es dauerhaft auf die Titelseiten der großen Tageszeitungen schaffen. Dabei sind sie für unser tatsächliches Leben meist von geringer Bedeutung. Nach jeder Wahl reklamieren Parteien Stimmenzuwächse stets mit hervorragender Basisarbeit und einem exzellenten Wahlprogramm. In Wahrheit sind es aber wohl eher Langeweile dem aktuellen Status gegenüber, Charisma einer einzelnen Person oder die Tatsache, dass man schon immer diese oder jene Partei gewählt habe, die zu einer bestimmten Stimmabgabe eines wahlberechtigten Bürgers führen.

Was hat uns dazu gebracht derart gleichgültig gegenüber Themen zu sein, die unser Leben direkt bestimmen? Die meisten Menschen würden sich wahrscheinlich ähnliche Dinge wünschen, wenn man sie direkt fragen würde: höhere Löhne, höhere Renten, sichere Arbeitsplätze, flächendeckende, bezahlbare Kinderbetreuung, schnelle Gesundheitsversorgung, bezahlbare Eigentumswohnungen und Mieten. Im Gegenzug wählen wir aber dauerhaft Parteien, die staatlichen Wohnungsbau, Telekommunikation, das Gesundheitswesen, die Post, Autobahnen und Renten für das schnelle Geld privatisiert haben oder dies am liebsten tun möchten. Der Großteil der anfallenden Rechnung wird schließlich in eine Legislaturperiode „weit, weit weg“ fallen. Und bei allem wird uns eingeredet, dass dies alternativlos wäre. Interessieren wir uns deshalb so sehr für internationale Ereignisse, weil wir sie nicht ändern können und unser Gehirn dies nachvollziehen kann?

Und interessiert uns nationaler Unfug und Fehlplanung so wenig, weil man sich im Zweifel engagieren müsste, unser Gehirn aber im tiefsten Inneren weiß, dass diese Zustände nicht unveränderlich wären?
All das sind Gedanken, die einem kommen, wenn man mal wieder durchnässt an einer Bushaltestelle steht, weil die Wettervorhersage nur Sonnenschein prophezeit hat. Und auch das ist kein unveränderlicher Zustand. Otto von Bismarck hat sich bereits 1883 gegen die Wettervorhersage ausgespochen und dies hat bis in die 1920er Jahre gehalten. Es geht also, wenn man nur will…

Diese Kat€-Kolumne erschien im Materialist #9  4/2018

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