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„Greift nach den Sternen!“

Kat€ im Gespräch mit Birgit Schrowange

Birgit Schrowange fasziniert mich schon lange: Sie ist Moderatorin, Autorin, Hörbuchsprecherin, alleinerziehende Mutter. Und wirkt mit jedem Jahr noch attraktiver und selbstbewusster. Wow. Wie macht sie das bloß? Bei Amazon finde ich ihr Buch „Es darf gern ein bisschen mehr sein.“ Das sehe ich auch so! Ich bitte um ein Interview.

Ein paar Wochen später – der Interviewtermin ist da: Mein Handy klingelt. Birgit Schrowange meldet sich. Yeah!

Aber das Gespräch wird gleich unterbrochen: Birgit Schrowange nimmt ein Paket für die Nachbarn an. Ich kriege ein schlechtes Gewissen, weil ich den Postboten meistens wegschicke, wenn er mir Lieferungen für die Nachbarn aufs Auge drücken will. Nicht so die berühmte Moderatorin!

Dann geht’s los:

FD: Frau Schrowange, mit Ihrem Buch „Es darf gern ein bisschen mehr sein“ sprechen Sie Frauen aus dem Herzen – besonders Landeiern wie mir, die sich in die Großstadt gewagt haben. Was hat Sie in Ihrer Jugend am meisten geprägt?

BS: Ich hatte eine schöne Kindheit, darüber bin ich froh. Ich bin in einer Großfamilie aufgewachsen, mit meinen Großeltern und zwei Geschwistern. Als Kinder haben wir Baumhäuser gebaut, haben im Dreck und in Höhlen gespielt. Es gab keine Kontrollanrufe durch die Eltern, sondern Freiheit und Abenteuer. 

FD: Es ist Donnerstag – das Wochenende steht vor der Tür. Gilt das auch für Sie oder müssen Sie durcharbeiten?

BS: Nein – ich habe Sommerpause und vier Wochen frei. 

FD: Apropos Urlaub: Wie viele Urlaubstage bekommt man bei RTL?

BS: Ich bin Freiberuflerin und arbeite nicht nur für RTL, sondern auch auf Veranstaltungen und für Werbepartner, außerdem halte ich Lesungen. Früher hatte ich eine 70-Stunden-Woche. Aber seit mein Sohn auf der Welt ist, schaue ich, dass ich nur noch die Sachen annehme, die mir wirklich Spaß machen. 

FD: Sehen Sie selbst viel fern und wenn ja, was?

BS: Nein, nur wenn es regnet. Dann schaue ich gerne Dokumentationen, Magazine oder schöne Filme. 

FD: Jeder Mensch hat Träume. Welche Sendung würden Sie gerne moderieren?

BS: Vielleicht eine Talkshow wie die Oprah Winfrey Show.

FD: Ist Moderatorin in Ihren Augen ein Traumjob?

BS: Früher war es ein Traumjob. Es gab  nur wenige Programme. Heute ist es nicht mehr so interessant, denn es gibt viel mehr Sender und Online-Videokanäle. Es bleibt also weniger Geld für traditionelle Medien.

FD: Wie setzt man sich als Frau in den Medien durch? Und was hilft dabei mehr – gutes Aussehen oder Hartnäckigkeit?

BS: Man muss sehr hartnäckig sein und braucht ein dickes Fell. Auch ich habe viele unschöne Dinge erlebt, auch Mobbing. Gutes Aussehen? Das Wort Fernsehen kommt von „Sehen“, man muss aber kein Topmodel sein – im Gegenteil. Wenn die Frauen im Fernsehen zu schön sind, werden die Frauen vor dem Fernseher eifersüchtig und sagen ihrem Mann, dass er umschalten soll. Wichtig ist ein gutes Auftreten. Man muss Interesse wecken, die Kamera lieben und mit ihr flirten. 

FD: Hatten Sie einen Plan B, falls es mit der Moderatoren Laufbahn nicht geklappt hätte?

BS: Nein. Ich war sicher, dass es klappt. 

FD: Wieso interessieren sich so wenige Frauen für Finanzen?

BS: Selbst viele studierte Frauen interessieren sich nicht für Finanzthemen! Ich verstehe das nicht. Ich sage immer: Verzichtet auf den Kaffee zum Mitnehmen und investiert in einen Aktien-Sparplan. Ich kann überhaupt nicht verstehen, dass nur ca. 14% der Deutschen Aktien besitzen. Dabei kann man schon mit 50,00 Euro pro Monat in einen Aktienfond oder einen ETF Sparplan einzahlen und durch den sogenannten  Mittelstandswert (Cost-Average-Effekt) eine viel höhere Rendite erzielen, als wenn das Geld z.B. nur auf dem Sparbuch liegen würde.   Auf der Bank bekommt man aktuell keine Zinsen für sein Geld. Das größte Risiko ist darum, kein Risiko einzugehen. 

FD: Was müsste sich ändern in Sachen Frauen und Geld?

BS: Armut ist weiblich. Gerade Frauen geraten in die Armutsfalle. Sie können nicht für sich einstehen. Es ist ihnen peinlich bei Gehaltsverhandlungen über Geld zu reden. Das muss anders werden! Man müsste an der Schule ein Fach „Finanzen“ einführen.

FD: Sie haben sehr viel Coolness bewiesen, als Sie dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen den Rücken zukehrten. Woher nimmt man als junge Frau den Mut, etablierten Medien den Mittelfinger zu zeigen?

BS: Jeder hat mir davor abgeraten, einschließlich meiner Eltern. Doch das Glück ist mit den Mutigen: Ich bin immer Risiken eingegangen und wurde dafür belohnt. Ich habe meine Chancen ergriffen. In zwei Jahren feiere ich mein 25-jähriges Jubiläum bei RTL. 

FD: Es gab bei den Öffentlich-Rechtlichen eine ungute Sichtweise der Männer in Führungspositionen: Frauen über 40 wären zu alt für den Bildschirm. Hat sich ein Vierteljahrhundert später an diesem Mindset was geändert?

BS: Als ich vor 35 Jahren anfing, waren Frauen ein Beiwerk und wurden als Fernsehansagerinnen oder Assistentinnen eingesetzt.  In den Talkshows und Nachrichten hat man nur männliche Moderatoren gesehen. Inzwischen hat sich einiges geändert. Es gibt tolle Moderatorinnen, welche auch die Männerdomäne Politik und Journalismus erobert haben. Bei RTL ist eine Frau an der Spitze und Jugendwahn herrscht hier auch nicht, den viele meiner Kolleginnen, wie z.B. Ulrike van der Groeben, Ilka Essmüller, Frauke Ludowig, Katja Burkhart und einschließlich mir, sind alle über 50 Jahre alt.

FD: Sind Sie als Moderatorin so erfolgreich, weil Sie sich von Männern nicht einschüchtern lassen?

BS: Nein. Ich bin einfach immer meinen Weg gegangen. Ich hab mich schon manchmal eingeschüchtert gefühlt. Aber davon habe ich mich nicht beirren lassen. Vor allem hab ich es mir nicht anmerken lassen!

FD: Der Wechsel zu RTL war für Ihre weitere Karriere entscheidend. Sie tauchten in die Welt der Celebrities ein. Hat diese aufregende Seite des Fernsehens Sie überrascht?

BS: Als ich bei RTL anfing,  bekam ich zunächst die Sendung EXTRA, die ich auch heute noch moderiere. Für die Sendung Life, die Lust zu leben, habe ich viele Prominente getroffen wie z.B. Kevin Costner, Elton John, Brian Adams, Michael Douglas etc. und außergewöhnliche Sportarten getestet wie z.B. Apnoetauchen , Hundeschlitten Rennen, Bungee jumping, ich bin mit Haifischen getaucht und habe ein Astronautentraining in Moskau absolviert. Es waren tolle Zeiten, für die ich wirklich sehr dankbar bin.

FD: Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?

BS: „Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommst Du ohne ihr.“ Den Spruch hat meine Großmutter oft zitiert. Ich kann nur allen Frauen raten: Stellt euer Licht nicht unter den Scheffel – sagt, was Ihr wollt, und zeigt, was Ihr könnt.

FD: Was ist für viele Frauen im Berufsleben die große Hürde?

BS: Frauen müssten viel öfter nach den Sternen greifen! Aber sie unterstützen sich zu selten gegenseitig. Sie sind zu bescheiden. Viele haben Minderwertigkeitskomplexe. Sie wurden nicht dazu erzogen sich etwas zuzutrauen. Sie sollten viel öfter rufen: „Ich kann das, ich mach das!“

FD: Aus Ihrer heutigen Sicht der Dinge: Was würden Sie Ihrem 25-jährigen Ich raten?

BS: Ich hätte Abitur machen sollen und danach Journalismus studieren. So musste ich mir alles durch learning by doing aneignen. Als man mir die Moderation der „Aktuellen Stunde“ beim WDR anbot, habe ich Blut und Wasser geschwitzt. Ich war überrascht, dass ich es konnte – aber ich konnte es.

FD: Viele Frauen schaffen es wegen eines geringen Einkommens nicht, ein unabhängiges Leben zu führen. Welche Tipps haben Sie?

BS: Ich komme aus einem einfachen Elternhaus und habe erlebt, wie meine Mutter aus dem nichts etwas gemacht hat. Fakt ist, dass man immer etwas beiseite legen kann, auch wenn man wenig verdient. 50 Euro monatlich kann jeder schaffen. Man muss es aber wollen.

Finanzdiva möchte sich an dieser Stelle für das Interview bedanken.

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