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Beate Sander verrät…

Beate Sander verrät…

Wie man an der Börse gelassen bleibt

“Börse ist spannend. Mit Mut, Entschlossenheit, Wissen und Disziplin gibt es auch immer wieder große Chancen.”

Es geht mir nicht um Reichtum als Ziel, sondern um das Erfolgserlebnis, mit der von mir erfundenen Hoch/Tief-Mutstrategie etwas zu bewegen, meint Deutschlands bekannteste Börsen-Expertin Beate Sander. Im Interview erklärt die sympathische Selfmade-Millionärin, wie es ihr gelang, mit einem kleinen Depot und großem Mut die Finanzwelt zu erobern. 

fd: Beate, Sie sind Deutschlands coolste Börsianerin und wirken ultra sympathisch. Wie schafft man es auf dem Boden zu bleiben, wenn das Depot Flügel verleiht?

Börse ist spannend. Mit Mut, Entschlossenheit, Wissen und Disziplin gibt es auch immer wieder große Chancen – das macht meine Hoch/Tief-Mut-Strategie aus.

fd: Sie sind ein echter Workaholic. Was treibt Sie an?

Es geht mir um den Erfolg, etwas positiv zu bewegen und zu verändern. In mir steckt so eine Art Erfinder- und Entdecker-Gen. Schon als Kind habe ich viele Experimente mit Pflanzen gemacht und am Klavier improvisiert und komponiert.

fd: Hoch/Tief-Mut-Strategie?

Im Weltwirtschaftscrash 2008/2009 hat sich die von mir erfundene Hoch/Tief-Mutstrategie voll bewährt. Und auch im Dezember 2018, als die Kurse im Technologie- und Internetsektor einbrachen, war mein Depot stabil. Nur Teilverkäufe bester Aktien mit Kursgewinnen im drei- bis vierstelligen Bereich, um damit chancenreiche, abgestürzte Titel neu zu erwerben oder nachzukaufen.

fd: Das klingt ja einfach.

Mein Depot finanziert sich auf diese Weise selbst. Und ich hatte schon im April ein neues Allzeithoch. Dazu kommen neben der breiten Streuung wieder angelegte Dividenden. Bei Fuchs Petrolub sind es alljährlich schon 25 %, bei Rational 33 %. Da wäre selbst ein Teilverkauf dumm, zumal die Dividende bei sehr langfristiger Anlage weiter steigen dürfte.

fd: Sie haben eine Kolumne auf BILD und sind ein gern gesehener Gast im TV. Wie gehen Sie mit dem medialen Duck um, immer neue Börsentipps aus dem Ärmel zaubern zu müssen?

Die vielen Auftritte auch bei Film und Fernsehen bedeuten für mich keinerlei Druck, sondern machen mir Spaß. Ich genieße die neuen Eindrücke, mache weitere Erfahrungen und empfinde neue, spannende Erlebniswelten. So etwas gefällt mir und inspiriert mich. Im Übrigen schüttle ich nicht ständig neue Börsentipps aus dem Ärmel, sondern versuche nur, wichtige Grundsätze spannend, anschaulich, bildhaft herüber zu bringen. Dazu gehört auch das richtige Verhalten in schwierigen Zeiten und die Vermeidung der großen Fehler.

fd: Ihre Message?

Breit gestreut – nie bereut. Langfristig anlegen ist kein Fluch, sondern Segen.

fd: Haben Sie weitere Börsenweisheiten für sich entdeckt?

Erstens: Meide die gefährlichen Vier: Euphorie, Panik, Angst und Gier.

Zweitens: Ein Crash ist gut – für Leute mit Mut.

Drittens: Die besten Rennpferde bleiben im Stall. – Komplettverkauf auf keinen Fall.

fd: Und viertens?

Tüchtige Anleger verlieren nie ihr Geld mit Dividendenstrategie.

fd: Apropos Reichtum: Macht Geld süchtig?

Geld kann, muss aber nicht süchtig machen. Geld ist wertfrei. Damit kann ich sehr viel Schlechtes, aber auch etwas Gutes tun: beispielsweise bei Naturkatastrophen spenden, viel für die Bildung meiner Kinder und Enkel tun.

fd: Was bedeutet Geld für Sie?

Geld ist für mich persönlich die Bestätigung, etwas erreicht und bewirkt zu haben. Geld ist für mich auch wichtig als Ausdruck von Anerkennung und Wertschätzung. Ich genieße es, wenn mir auf Vortragsreisen ein schönes Fünf-Sterne-Hotel mit Pool angeboten wird. Ich freue mich, wenn mein „Aktien- und Börsenführerschein“ bei Amazon den Spitzenplatz bei der Börsenliteratur einnimmt.

fd: Was ist Ihr Tipp für alle, die eine steile Karriere an der Börse hinlegen wollen. Und was ist ein entscheidender Erfolgsfaktor: Glück, Timing oder ein dicker Batzen Geld?

Altmeister André Kostolany hat es mit seinen berühmten fünf G so ausgedrückt: Geld – Glück – Geduld – gute Gedanken.

fd: Und Großzügige Vorfahren…

Ein hohes Einkommen oder eine dicke Erbschaft erleichtern das Ziel. Ich habe nie etwas geerbt. Und als Lehrer verdient man zwar gut, aber auch nicht richtig viel. Also müssen die anderen Faktoren vor allem entscheiden: Etwas Glück, viel Geduld und die guten Gedanken, absolute Disziplin, viel und immer Neues zu lernen und intensiv am Erfolg zu arbeiten, Erfahrungen zu sammeln, neue Wege gehen, die großen Fehler zu vermeiden, nicht leichtfertig alles aufs Spiel zu setzen.

fd: Stichwort Kinder. Wie sollte man seinem Nachwuchs den Umgang mit Geld näher bringen ohne sie damit zu langweilen?

Entscheidend ist das gute Vorbild im Alter. Meinen Kindern habe ich gesagt: ich erwarte von euch und von mir selbst: sich anzustrengen – nie zu lügen – keine Ausflüchte und Sündenbocksuche – keinerlei Gewalt im Alltag, fleißig zu lernen, gute Noten zu erzielen. Sparen bedeutet Konsumverzicht. Mit 60 % Rabatt gebt ihr vielleicht 40 % von eurem Geld auch für sinnlose Sachen aus. Dafür könnt ihr anziehen, was ihr wollt und all eure Hobbys selbst aussuchen mit meiner Unterstützung.

Apropos, in meinem großen Buch der Börsenkolumnen habe ich einige praktische Beispiele aufgezeigt, wie man Kinder und Enkel für kluges Sparen und den Einstieg in Börse und Aktien begeistern kann ohne dass Langeweile aufkommt.

Hier kannst du einen Blick ins “Große Buch der Börsenkolumnen” werfen.

fd: Und zu guter Letzt: Wie fühlt man sich, wenn man als weibliche Finanz-Ikone fast ausschließlich nur mit Männern auf dem Börsenparkett steht?

(Lacht) Ich betrachte mich nicht als Finanz-Ikone, sondern als Börsenpädagogin mit dem Ziel, Menschen aus allen Schichten davon zu überzeugen, sich vom schleichenden Kapitalvernichter Sparbuch zu trennen. Es gilt, mit kleinem oder großem Geldbeutel Vermögensaufbau und Altersvorsorge entschlossen und erfolgreich voranzutreiben, um finanziell unabhängig und frei seinen Ruhestand zu verbringen, statt in Altersarmut zu geraten. Dazu gehört, sein eigenes Anlageprofil von „Angsthase“ über erfolgsorientiert und risikofreudig bis zum Spekulanten- und Zockertum realistisch einzuschätzen. Jeder braucht für den Erfolg eine andere Depotzusammensetzung mit unterschiedlicher Gewichtung von ETFs, modernen Mischfonds, erstklassigen Aktienfonds, internationalen und nationalen Aktien, Zukunftswerten, substanz- und teilweise auch dividendenstarken Titeln. Und ja, ich arbeite gern auch mit Männern zusammen.

finanzdiva.de bedankt sich für das Interview.

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