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CEO Adi Drotleff über…

Unerkannte Heldenstorys, abgrundtiefe Aussichten mit Mitte 30 und Jobs mit komplexen Rechenaufgaben! Letzteres klingt kompliziert und nach Männerdomäne, war aber früher eher ein Frauending. Wusstest du, dass man solche Berufe ursprünglich “Computer” nannte und diese zudem meist von Frauen ausgeübt wurden? Adi Drotleff überrascht nicht nur mit wunderbaren Anekdoten, sondern blickt gleichzeitig auf seine beeindruckende 30-jährige Erfolgsgeschichte zurück – seit dem waghalsigen Start als 2-Mann-Firma…

Die Vorstellung, mit Mitte dreißig nicht mehr arbeiten zu müssen, war für mich ein Blick in den Abgrund . – Adi Drotleff

©AdiDrotleff für finanzdiva.de

©AdiDrotleff

fd: Mensch und Maschine (MuM) ist in über 50 Ländern präsent. Würden Sie heute Ihrer Firma noch einmal einen deutschen Namen geben oder wäre man gezwungen, die Firma auch vom Wortlaut international auszurichten?

Adi Drotleff (AD): Wir standen tatsächlich vor dieser Frage, als wir 1995, also 11 Jahre nach Gründung, ins nicht-deutschsprachige Ausland expandiert haben. Wir haben uns dann für eine Übersetzung des Firmennamens ins Englische entschieden und treten seitdem international als „Man and Machine“ auf.

Kleine Anekdote am Rande: Eigentlich wollten wir damals eine Niederlassung in England gründen, aber dann war doch Frankreich als erstes dran. Wir sind also als deutsches Unternehmen mit einem englischen Namen in Frankreich aufgeschlagen, was eine durchaus interessante Erfahrung war…

fd: Sie entwickeln Softwarelösungen. Wo genau sehen Sie die Schnittstelle zwischen Software, Mensch und Maschine? 

AD: Computer und Software sind Werkzeuge, die ihren Benutzern lästige Rechenarbeit abnehmen und in unserem Metier Entwürfe, Simulationen und Berechnungen ermöglichen, die für ein menschliches Hirn gar nicht zu schaffen wären.

fd: Wäre es im optimalen Fall nicht so, dass die Kombination aus Software und Maschine den Menschen in der Produktionskette ersetzen sollte?

AD: Das Ersetzen von Menschen durch Computer ist nicht unser Ziel, auch wenn es natürlich vorkommt, dass einzelne Funktionen oder ganze Berufe durch Maschinen substituiert wurden und werden. Wussten Sie zum Beispiel, dass „Computer“ ursprünglich den meist von Frauen ausgeführten Beruf für das Ausführen komplexer Berechnungen bezeichnete, wie im Film „Hidden Figures“ anhand des NASA-Mercury-Projekts erzählt wird?

fd: Ihre Firma vertreibt Software für CAM und wird auch bei den Garten-, Landschafts- und Tiefbau sowie Elektrotechnikbereichen eingesetzt. Was genau verbirgt sich hinter CAD?

AD: Computer Aided Design (CAD) ist ein Oberbegriff für alle Arten von technischer Software zur Planung und Konstruktion. Da es einen großen Unterschied macht, ob man Maschinen, Autos, Flugzeuge, Schiffe, Häuser, Straßen, Brücken, Tunnels, Gärten oder Elektroanlagen entwirft und baut, verbirgt sich dahinter eine große Anzahl sehr unterschiedlicher Softwaresysteme.

fd: Das klingt ganz schön speziell…

AD: MuM bietet in den von Ihnen genannten Bereichen eigenentwickelte Standard-Software an, die für die adressierten Anwendungen „aus der Box“ einsetzbar sind, so wie Sie es z.B. von Office-Software kennen. Aber wir haben neben diesem „Software-Segment“ noch ein zweites mit dem Namen „Systemhaus-Segment“, wo wir kundenspezifische und maßgeschneiderte Lösungen bauen.

Auch dabei fängt man natürlich nicht bei „Adam und Eva“ an, sondern nimmt so viele Standard-Komponenten wie möglich und passt nur dort an, wo der Kunde wirklich einen individuellen Bedarf hat, den man nicht mit vorhandener Standardsoftware allein abdecken kann.

fd: Computer, Maschinenbau und Software-Entwicklung sind Bezeichnungen, die vielen Menschen Respekt einflössen, insbesondere weil sie von ihnen im Detail nicht nachvollzogen werden können. 

AD: Heute ist das wahrscheinlich sogar so, aber vor 35 Jahren war Software noch so exotisch, dass bei der Anmeldung einer Vorgängerfirma von MuM auf dem dann von der Behörde ausgestellten Gewerbebescheid „Softeis“ statt „Software“ stand.

fd: Macht es das einem Gründer in der Kreditabteilung einer Bank einfacher als wenn man eine Würstchenbude eröffnen möchte?

AD: Bei einem Kreditantrag war es sogar noch schwieriger, da musste schon eine Grundschuld oder ein potenter Bürge her, sonst ging gar nichts. Das hatte aber für mich den Vorteil, dass ich klein anfangen musste, um dann allmählich aus der Zwei-Mann-Firma einen mittelständischen Konzern mit heute mehr als 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu entwickeln.

fd: Hat jeder Geschäftsführer eine finanzielle Schmerzgrenze, bei der er sein Unternehmen verkaufen würde oder kann man auf rein finanzbasierter Basis kein nachhaltig erfolgreicher Unternehmer werden?

AD: Bei mir war es so, dass ich in den ersten zehn Jahren nach Gründung zweimal von Kaufinteressenten angesprochen wurde und durchaus lukrative Angebote bekam. Aber ich habe dann gemerkt, dass die Vorstellung, mit Mitte Dreißig zu verkaufen und danach nicht mehr arbeiten zu müssen, für mich eher ein Blick in den Abgrund war. Nach dieser Erfahrung habe ich mich darauf konzentriert, die Firma vernünftig weiterzuentwickeln und sie 1997 an die Börse gebracht, um das finanzielle und organisatorische Fundament zu vergrößern.

Finanzdiva.de bedankt sich bei Adi Drotleff für das Interview.

Mensch und Maschine: Die Key Facts

Alle Angaben ohne Gewähr. (Stand 11/2018)

WKN: 658080

5 Jahres-Performance: 388 Prozent (Respekt!)

Dividende: 2,73 Prozent

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Mensch und Maschine: Mehr als nur Software

Die Mensch und Maschine Software SE (MuM) ist einer der führenden Anbieter von CAD-Lösungen in Europa. Die Software des Unternehmens wird in verschiedenen Branchen wie Maschinenbau, dem Werkzeug- und Formenbau, der Automobil-, Elektrotechnik-, Luft- und Raumfahrtindustrie sowie in der Medizintechnik, Spielzeug-, Schmuck- und Uhrenindustrie eingesetzt.

Die Firma wächst rasant. Das Softwaresegment brummt. Die Zielsetzung des CEOs ist ambitioniert. Der Dividendenplan klingt vielversprechend. Von einer jährlichen Anhebung ist die Rede. Die Vergangenheit ist der Beweis: Die Firma tritt selbstbewusst aus dem Schatten vom Software-Giganten Autodesk heraus. Die vielen eigenen Software-Segmente machen die Firma zu einer unabhängigen IT-Firma, die für eine Vielzahl von Kunden eine maßgeschneiderte Softwarelösung bietet. Das  Finanzdiva-Fazit lautet: Ab auf die Watchlist damit.

Die Kennzahlen im Überblick findest du hier.

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