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Kunst: Kult oder Investment?

KUNSTKENNER AENEAS BASTIAN EXKLUSIV

Aeneas Bastian: “Editionen von Picasso oder Warhol können in einer Krise immer zu einem bestimmten Mindestpreis verkauft werden.”

©Aeneas Bastian

©Aeneas Bastian

Von wegen Kunstbanausen. Wir Deutschen sind kunstbegeistert, weiß Experte Aeneas Bastian. Seit Kurzem eröffnen in den Metropolen hierzulande sogenannte Kunstsupermärkte, wo man frische Schnäppchen schon ab 59 Euro finden kann. Aeneas Bastians Geschäft ist exklusiver. Seine Galerie ist auf moderne und zeitgenössische Kunst von 1900 bis heute spezialisiert. Eins seiner diesjährigen Highlights: Die Eröffnung einer Galerie mitten in London. Kat€ bekam von dem charismatischen Kunstliebhaber eine exklusive Einweisung in die Welt der Fine Arts und erfuhr im Interview, welche Künstler-Editionen in ein krisensicheres Wohnzimmer gehören.

fd: Herr Bastian, was gibt’s Neues am Kunstmarkt?
AB (Aeneas Bastian): Der Kunstmarkt hat sich in den letzten Jahren tiefgreifend verändert. Er war
noch in den 90er Jahren größtenteils auf Westeuropa und die USA begrenzt und ist inzwischen zu einem globalen Markt geworden. Chinesische Sammler besuchen Galerie-Ausstellungen und Kunstmessen in aller Welt. Sie reisen heute ebenso selbstverständlich nach London wie nach Hong Kong. Der Einfluss
der asiatischen Kunstinteressierten und Käufer hat stark zugenommen.
fd: Richtig oder falsch? Die Kunstwelt ist eine Domäne der Reichen?
AB: Falsch. Die Käufer von Spitzenwerken verfügen über große Vermögen. Um ein Hauptwerk eines bekannten Künstlers kaufen zu können, müssen hohe Summen aufgebracht werden. Zugleich hat sich der Kunstmarkt demokratisiert und ist transparenter geworden. Sammler mit begrenzten Mitteln können zum Beispiel Werke junger oder noch nicht etablierter Künstler kaufen.
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fd: Wer sind Ihre Top 3 unter den Künstlern?
AB: Pablo Picasso, Andy Warhol und Anselm Kiefer.
fd: Das Gespenst der Krise ist allgegenwärtig. Viele Menschen ahnen: Etwas stimmt nicht in unserem Finanzsystem. Ist Kunst ein sicherer Hafen? 
AB: Nur unter bestimmten Voraussetzungen. Werke von Künstlern die nicht international bekannt sind, können sehr stark im Wert steigen oder sinken. Der Preisverlauf hängt von der Entwicklung des Werkes und der öffentlichen Wahrnehmung des Künstlers ab.
fd: Was bedeutet das konkret?
AB: Editionen von Picasso oder Warhol können in einer Krise immer zu einem bestimmten Mindest-preis verkauft werden. Sie sind auch deshalb eine relativ sichere Anlage, weil der Verkäufer die Wahl zwischen einer Galerie, einem Auktions-haus, einem Kunsthändler und einer Online-Plattform hat.
fd: Gibt es hierzulande viele Kunstliebhaber?
AB: Ja, es gibt in Deutschland viele kunstbegeisterte Menschen, die häufig Ausstellungen in Galerien und Museen besuchen. Viele deutsche Kunstsammlungen sind jedoch in den Nachkriegsjahren des Wirtschaftswunders entstanden. Heute gibt es in Deutschland weniger Kunstkäufer als in vielen anderen Ländern.
fd: Prominente, Politiker oder Unternehmer: Welches Klientel ist besonders Kunstinteressiert?
AB: Unternehmer. Viele interessante Kunstsammlungen sind von Unternehmern aufgebaut worden.
Darunter sind Firmengründer, Inhaber kleiner Unternehmen und Eigentümer großer, mittelständischer Firmen.
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