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Mompreneurs #2

Warum ich immer wieder aufstehe

Wenn man so viele Grenzerfahrungen positiv gemanagt hat, wird man stabil. Dann bringt einen so schnell nichts mehr aus der Fassung. Prof. Dr. Ulrike Detmers

Sie ist Mitgesellschafterin der Mestemacher-Gruppe, einer der führenden deutschen Großbäckereien. Sie lehrt als Professorin Betriebswirtschaft an der Fachhochschule Bielefeld. Und sie startet immer neue soziale Projekte, ehrt unter anderem alljährlich den „Spitzenvater des Jahres“ und die „Managerin des Jahres“. 2008 erhielt die Unternehmerin das Bundesverdienstkreuz, weil sie für Gleichberechtigung und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie kämpft. Ulrike Detmers selbst hat genau das geschafft: Denn die erfolgreiche Unternehmerin ist seit 1975 glücklich verheiratet mit Albert Detmers. Sie haben zwei Kinder und zwei Enkel. Ein perfektes Leben, oder?

So wirkt es zumindest. Doch in ihrer Biografie „Farben des Lebens“ offenbart die taffe Geschäftsfrau, dass auch sie Schicksalsschläge hinter sich hat – und zwar mehr, als viele ahnen…

©Prof. Dr. Ulrike Detmers

fd: Mit Ihrer Krebs-Diagnose 2014 gingen Sie sehr offen um. Warum?

UD: Ich hatte einen großen Kongress geplant. Als ich den nach der Diagnose absagte, fragte die Presse, warum. Da hätte ich lügen müssen. Stattdessen habe ich über meine Erkrankung gesprochen und die Aufmerksamkeit auf mich gezogen. Ich gab sehr viele Interviews und würde es im Nachhinein wieder so machen. Weil mir nachher viele Frauen schrieben: Gut, dass Sie an die Öffentlichkeit gegangen sind. Jetzt können wir auch viel offener damit umgehen.

fd: Wie ging es Ihnen in dieser Zeit?

UD: Diese Erkrankung war mein größter Rückschlag. Denn der Krebs war lebensbedrohlich. Ich hatte einen Tumor in der rechten Brust, der sich in kürzester Zeit vergrößert hat. Es folgten eine Chemotherapie, zwei OPs und Bestrahlung. Seit über drei Jahren bin ich gesund, werde aber regelmäßig untersucht. Ich nehme außerdem Anti-Hormon-Tabletten, die verhindern, dass der Tumor wiederkommt.

fd: Was hat Ihnen Mut gemacht?

UD: Mein Mann und unsere Großfamilie gaben mir Rückhalt, aber auch das Ärzteteam, zu dem ich großes Vertrauen hatte. Nach der zweiten Chemo bekam ich die Botschaft, dass der Tumor sich schon um 50 Prozent verkleinert hat. Das war ein Mutmacher.

©Prof. Dr. Ulrike Detmers

fd: Im Buch verraten Sie, dass Sie ein Jahr nach einer Bandscheiben-OP unter Depressionen litten. Wie haben Sie da wieder herausgefunden?

UD: Ich war zeitweise in eine Niedergeschlagenheit abgerutscht. Ich ging zu einem Psychiater, der mir erklärte, dass die Rückenmarksbetäubung nach meiner Bandscheiben-OP die Depression ausgelöst haben könnte. Damit hatte ich eine Erklärung und das half. Der Psychiater hat mich toll aufgerichtet, mir aber auch Psychopharmaka verschrieben. Nach vier Wochen war ich wieder die Alte. Es war wichtig, dass das Leben für mich wieder normal verlaufen konnte. Ich hatte ja viele Vorhaben im Kopf und so konnte ich an deren Umsetzung weiter arbeiten. Mein Mann sagte damals: Du hast dich am eigenen Schopfe rausgezogen. Seine Aussage hat mir sehr gut getan. Zusammenfassend lässt sich dazu sagen: Ich habe auch mit der Hilfe meines Mannes und unserer tollen Ehe die Niedergeschlagenheit bewältigt. Meine Eltern und Kinder waren ebenso für mich da. Ich glaube, wenn man keine Perspektive hat, wird’s schlimm. Aber die hatte ich immer.

fd: Ihre Familie hielt auch zusammen, als Ihre jüngere Schwester sich im Alter von 22 Jahren das Leben nahm…

UD: Wir haben uns damals in der Familie gegenseitig gestützt. Meine Tochter war ein Jahr vorher geboren worden und kam in die Lücke hinein, die meine Schwester gerissen hat. Sie sorgte für Ablenkung. Meine Mutter hat sie betreut, bis sie mit zwei Jahren in den Hort kam – und darüber hinaus.

©Prof. Dr. Ulrike Detmers

fd: Haben Sie sich jemals gefragt: Warum passiert mir das alles?

UD: Nein, weil bei mir der Pragmatismus dominiert. Der Wirklichkeitssinn. Ich bin keine Romantikerin und auch keine Traumtänzerin. Ich gehe sehr nüchtern mit allem um. Jetzt bin ich tiefenentspannt. Wenn man so viele Grenzerfahrungen positiv gemanagt hat, wird man stabil. Dann bringt einen so schnell auch nichts mehr aus der Fassung.

fd: Woher kommt Ihre Kämpfernatur?

UD:Ich habe da vermutlich die Gene meiner Mutter: Sie war eine Kämpferin, die im September 2017 mit 89 Jahren verstorben ist. Mit zwölf wurde sie zum Waisenkind und musste sich alleine durchs Leben schlagen. Ich habe viel von ihr geerbt: besonders den Optimismus und den Willen, nicht aufzugeben. Für mich ist jeder Rückschlag ein Motivator zum Weitermachen. Ich will die nächsten Ziele erreichen.

fd: Also denken Sie noch nicht an Rente?

UD: Mein Renteneintrittsalter als Professorin ist erst 2021! Da habe ich noch ein paar Jahre. Aber ich mache das gerne. Diese ganzen jungen Nachwuchskräfte, an deren Qualifikation ich mitwirken darf, halten mich fit.

Interview: Anna Butterbrod

An dieser Stelle möchte sich finanzdiva.de bei Prof. Dr. Ulrike Detmers für das Interview bedanken.

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