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Mach dich Steinreich!

Mach dich Steinreich!

Die Aktie der Woche

“Only the best ist good enough.” Ole Kirk Christiansen, LEGO Gründer

Privatanleger und Financial Diva Analyst Jens Will gibt uns regelmäßig ehrliche Einblicke über seine Machenschaften. Seine Leidenschaft? Im Börsendschungel sucht er täglich nach waghalsigen Rendite-Abenteuern. Die Elementarteile seiner Geldanlage sind Aktien. Bei dem dreifachen Vater vergeht kein Tag, ohne dass er nicht an der Börse unterwegs ist. Auch im Kinderzimmer findet man ihn auf der steinigen Renditepiste.

Text: Jens Will

Sie sind klein, bunt, scharfkantig und teuer. Und die Biester verstecken sich gerne im flauschigen Teppich. Wenn Papa also nachts im Dunkeln ohne Schuhe durchs Kinderzimmer schleicht, um den Nachwuchs zuzudecken, dann tritt er sich garantiert die Hufe wund auf einem rumliegenden Mini-Klotz. “Heul leise!”, befiehlt die männliche innere Stimme und verhindert damit die Katastrophe. Lautes Gebrüll im Kinderzimmer? No Way! Dann hätte Daddy es bei Mama ordentlich verkackt. Hilft nur eins. Den Exit suchen und nichts wie raus aus der Spielzeughölle!

©Photogenika.de
©Photogenika.de

Ich danke dir an dieser Stelle für dein Mitleid. Sicherlich weißt du, wovon die heutige Story handelt. Die Rede ist vom Stolz der dänischen Spielzeug Industrie, den LEGO Steinen. Die Firma aus dem dänischen Billund ist heute der größte Spielwaren Hersteller der Welt mit einem  jährlichen Umsatz von über 3,5 Milliarden Euro. Respekt! Anders als die Wettbewerber Geobra Brandstätter (Playmobil) oder Mattel hat man bei Lego auch den Trend zum digitalen Spielzeug aktiv angegangen und sich mit „Legochima“ und „Ninjago“ ein eigenes Rollenspieluniversum geschaffen. Inklusive Apps, Sammelkärtchen, Playstation und Nintendo spielen. Seit einiger Zeit werden sogar Filme von Lego produziert und erfolgreich in Kinos und auf Amazon vermarktet. Wer eigene Kinder hat weiß, wenn Junior mal LEGO für sich entdeckt hat, dann wird’s richtig teuer. 150 Euro legst du für ein vernünftiges LEGO-Set locker hin. Und das öfter als dir lieb ist! Da kommen schnell vierstellige Beträge zusammen. Dein Konto glüht. LEGO lacht. Du betest. Und finanzdiva.de erlöst dich von deinem finanziellen Leid. Idee Nummer 1! Man könnte sich doch als Investor an diesem Kindheitstraum beteiligen… Und da ist sie auch schon, die schlechte Nachricht: der LEGO Konzern befindet sich ausschließlich in Familienhand. Niemand, der nicht mit der Familie Kirk Christiansen verwandt ist, kann also an dieser unglaublichen Geldmaschine direkt partizipieren. Damit könnte diese Artikelserie eigentlich schon enden….

Die Macht sei mit dir!

Zum Glück gibt es zahlreiche LEGO Zulieferer. Ohne sie und deren Vorprodukte und Dienstleistungen würden die Bänder in Billund schnell still stehen und die Marke nicht annähernd so hell leuchten. Vier dieser Aktien möchte ich in dieser Serie vorstellen und deren Zukunft beleuchten.

Haftungsausschluss & Disclaimer: Jens Will und Finanzdiva halten zur Zeit der Veröffentlichung dieses Beitrags keine der auf finanzdiva.de vorgestellten Aktien, Fonds, ETFs.Die Inhalte auf finanzdiva.de wollen keine spezifischen Anlage-Empfehlungen geben und enthalten lediglich allgemeine Hinweise. Autoren, Herausgeber und die zitierten Quellen haften nicht für etwaige Verluste, die aufgrund der Umsetzung ihrer Gedanken und Ideen entstehen.  

Herr der LEGO-Steine: Covestro 

Lego kommt vom dänischen „leg godt“. Das bedeutet „Spiel gut“. Damit man mit diesen Steinen wirklich gut spielen kann, kommt es entscheidend auf die Materialeigenschaften der Steine an. Und woraus besteht nun ein durchschnittlicher Legostein? Plastik, denkst du jetzt vielleicht.  Das stimmt nur zum Teil. Was den LEGO Stein von zahlreichen, billigen Kopien unterscheidet ist seine Hartnäckigkeit gegenüber Tensiden beim Waschen in der Waschmaschine. Auch Alkohole und Öle können einem LEGO-Baustein nichts anhaben. Wenn du’s nicht glaubst, probier’s einfach aus!  Kritzel auch mit Filzstiften darauf herum. Hinterher kannst du diesen Kunststoff problemlos abwaschen oder mit Spiritus reinigen. 

Was noch?

Formstabil, begrenzt elastisch, UV-beständig, Anti-Aging, nicht entflammbar. LEGO Steinchen können Multitasking. Gerade letzteres Kriterium ist enorm wichtig. Denn: Kinder spielen allzu gern mit dem Feuer. Heimlich, versteht sich. Ein LEGO Steinchen weiß das und bleibt auch beim Versuch ihn anzuzünden cool. Der Kunststoff der Wahl ist sehr langlebig und heißt ABS. Und jetzt die Auflösung, wer das legendäre LEGO-Material herstellt. Die Firma Covestro („COllaboration, inVEST, sTROng). Das Unternehmen aus Leverkusen ist die ehemalige Kunststoffsparte des Bayer Konzerns. Ich weiß, du regst dich gerade tierisch über die Monsanto Übernahme auf. Bayer war jedenfalls gezwungen, sich von einigen Bereichen zu trennen, die nicht mehr dem Kerngeschäft entsprachen. Gut so! Man trennte sich unter anderem von der Kautschuk Sparte (heute LanXess), von Teilen des Saatgut Geschäfts (Das gehört jetzt zu BASF) und eben von der Material Science Sparte Covestro. Deren Produkte umgeben uns auf Schritt und Tritt.

Übrigens!

Die Polyurethane von Covestro sorgen dafür, das unsere Matratzen und Autositze weich aber formstabil sind. Die Hartschäume dämmen Häuser und Kühlschränke und helfen, gewaltige Mengen Energie zu sparen. Ein noch vielfältigerer Bereich sind die Polycarbonate. Vom Fahrzeugscheinwerfer über das Brillenglas hin zum Mobiltelefongehäuse – die DNA der Polycarbonate ist die Vielfältigkeit. Ein Vertreter dieser Familie ist eben der LEGO Werkstoff ABS, von Covestro unter dem Namen Bayblend vertrieben.

Covestro: Winner or Loser?  

Die Fakten: Seit der Geburt im Jahre 2015 hat die Covestro Aktie (WKN 6060214) eine ziemliche Achterbahnfahrt hinter sich. Vom Ausgabepreis von 24 Euro schoss Covestro innerhalb von zwei Jahren wie von einem Gummiband gezogen auf über 90 Euro in die Höhe. Danach setzte eine scharfe Konsolidierung ein – Konjunktursorgen, besonders in der Automobilindustrie – und ein knüppelharter Sommer, mit Wassermangel im Rhein – sorgten für eine Gewinnwarnung und in Folge zu panikartigen Verkäufen an den Börsen. Der Kurs fiel vom Allzeithoch um 50% in die tiefe und verweilt seither zitternd auf diesem Niveau.

Ist der Boden erreicht?

Woher soll ich das wissen! Sowohl nach unten als auch nach oben tastet der Kurs seit Monaten seine Widerstände ab. Unter Vernachlässigung der Charttechnik lohnt sich aber ein Blick auf die inneren Werte. Covestro hat eine komfortable Kapitaldecke. Die Verschuldung beträgt gerade mal 50% vom EBIT, das ist im Branchenvergleich mustergültig. Das Unternehmen wird derzeit mit etwa dem 10-fachen des Jahresgewinnes bewertet. Davon wird die Hälfte ausgeschüttet, das ergibt auf dem Kursniveau eine stolze 5% Rendite. Auch hier alles in bester Ordnung.  Als Hersteller für Vorprodukte, gerade in der Automotive, Aero- und Baustoffindustrie, spürt Covestro natürlich die globalen Wirtschaftszyklen.

So what!

Dank der Breite der Produktpalette kann man aber bequem Kapazitäten umverlagern. Und – egal ob wir in Zukunft unsere Autos mit Diesel, Wasserstoff, Strom oder Ethanol befeuern werden – Scheinwerfer und Autositze werden wohl weiterhin verbaut werden. Covestro verdient einen nicht eben geringen Teil seines Umsatzes mit der Ummantelung von Stromkabeln. Sollte die E-Mobilität also tatsächlich den Verbrennungsmotor ablösen, ist diese Firma auch hier wieder mit dabei. Wasserstofftanks werden ebenfalls mit PU umschäumt. Und sollten alle Stricke reissen … dann bleiben Covestro immerhin noch die LEGO Steine. Was trübt die gute Stimmung dann gerade ein ? Die Konjunkturaussichten werden derzeit finsterer, dadurch bauen die Märkte, gerade auch im Bereich Material Science, schnell Überkapazitäten auf. Während Pegelstände des Rheins und heiße Sommer also eher temporäre Einflüsse und einmal Ereignisse sind, könnte eine Konjunkturdelle die Gewinne von Covestro nachhaltig schädigen.

Fazit

Wer an die Zukunft von Automobil, Bauwirtschaft und LEGO glaubt und seinem Depot gerne etwas Chemie hinzufügen will, der kann zum derzeitigen Preisniveau eine Position Covestro in sein Depot mischen. Die Bewertung erscheint fair, das Risikoprofil zum Zeitpunkt sehr ausgeglichen.

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