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Raus aus dem Gefängnis – Rein in die Chefetage

Coss Marte revolutioniert die Fitness-Szene

Der Knast ist kein schöner Ort. Und ich empfehle auch niemandem dort hinzugehen, um seine Berufung zu finden.

Keine Zweifel, Coss Marte (31) ist ein talentierter Geschäftsmann  und ein Typ, der polarisiert. Der Amerikaner machte 2017 durch zwei Dinge auf sich aufmerksam: ConBody, sein knallhartes Knast-Workout – und seine Firma, die ehemalige Häftlinge beschäftigt.

Photo©Coss Marte

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Im Alter von 19 bis 23 verdiente er mit dem Verkauf von Drogen mehr als 2 Millionen Dollar. Zugegeben! Das Ganze gehörte zu seinen weniger sonnigen Seiten abseits des Legalen.  Und Coss Marte wanderte für seine illegalen Deals mehrere Jahre in den Knast. Aber gerade diese Zeit machte ihn zu dem, der er heute ist. Ein faszinierender CEO und Gründer von ConBody – einem knallharten Knast-Bootcamp, das die Fitness-Szene revolutioniert. Kat€ gab er einen schonungslosen Einblick in sein Leben. Er sprach über seinen steilen Weg aus dem Knast direkt in die Chefetage, sein Ego und seinen faszinierenden Ehrgeiz.

FD: Vom Ex-Häftling zum Big Boss: Innerhalb von nur vier Jahren gelang dir das scheinbar Unmögliche. Das von dir entwickelte Knast-Workout schlug ein wie eine Bombe. Wie hast du das geschafft?

CM: Kontinuität, harte Arbeit und Mund-zu-Mund-Propaganda: Jeden Tag habe ich Leute auf der Straße angesprochen und auf ConBody aufmerksam gemacht. Ich höre nicht auf, es zu promoten. Und indem ich sicherstelle, dass das Produkt großartig ist, kommen die Leute wieder.

FD: Wie erklärst du die Faszination für ConBody? Langweilen sich die Leute mit old-school-Fitnesskursen? Oder haben sie einfach nur Bock auf ein böses Hardcore-Training?

CM: Die Leute wollen über ihr Limit hinaus gepusht werden. Und wir ermöglichen das mit diesem extrem harten Workout. Indem wir den Teilnehmern klarmachen, dass wir genauso in unseren Gefängniszellen trainiert haben, motiviert sie das. Sie erleben beim Training das Gleiche wie wir: Es gab im Knast keine schön ausgestatten Räume mit exklusiven Extras wie Duschen und Handtüchern. Wir hatten nichts – auch keine Ausrede.

FD: Ist ConBody vergleichbar mit dem Extrem-Workout „Insanity“?

CM: Ich nenne ConBody auch Prisonsanity. Viele Leute, die Insanity gemacht haben sagen, „Insanity“ sei einfach im Vergleich zu unserem Workout.

Photo©Coss Marte

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FD: Blicken wir hinter die Gefängnis-Kulisse: Es muss für jemanden wie dich frustrierend gewesen sein, tatenlos im Knast zu sitzen. Hast du diese Zeit genutzt um dein Business aufzubauen?

CM: Als ich im Knast war, bekam ich Ärger und kam in Isolationshaft. Ich war 24 Stunden am Tag komplett von der Außenwelt abgeschottet. Und dort hatte ich die Idee: Immerhin trainierte ich bereits einige Leute und habe dabei selbst viel abgenommen. Jedenfalls schrieb ich alles in Einzelhaft auf, angefangen von jedem einzelnen Workout bis hin zu jedem Schritt, den ich gehen wollte.

Das Ergebnis war eine Art Baby-Business-Plan. Nachdem ich aus dem Gefängnis kam, absolvierte ich ein Business-Program von „Defy Ventures“, das Master-Professoren von Stanford und Harvard unterrichteten. Dahinter steckt die Idee, dass Leute, die illegale Geschäfte gemacht haben auch legale Geschäfte am Laufen halten können.

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FD: Kannst du der Zeit im Knast auch etwas Positives abgewinnen? Oder überwogen die Hürden, die du dadurch überwinden musstest?

CM: Ich glaube, dass alles aus einem ganz bestimmten Grund passiert. Gott hat mich auf diese verrückte Reise geschickt. Ich habe dadurch meine Lebensaufgabe  gefunden. Hürden gab es jede Menge: Als ich raus kam, wollte mich niemand einstellen. Es ist schwierig mit einer Strafakte in den USA einen Job zu finden. Die meisten Leute werden dann einfach abgelehnt.

FD: Ist ein Gefängnis ein guter Ort um sich weiterzuentwickeln, neue Fähigkeiten zu erwerben und Zukunftspläne zu schmieden?

CM: Es ist immer gut weit weg von der Welt zu sein, die sich mit einer gefühlten Geschwindigkeit von einer Million Kilometern pro Stunde dreht. Auch wenn man dich dazu zwingt, irgendwo zu sein, musst Du nachdenken. Du musst etwas machen. Klar, der Knast ist kein schöner Ort. Und ich empfehle auch niemandem dort hinzugehen, um seine Berufung zu finden.

FD: Hat dich der Knast zu einem besseren Mensch gemacht?

CM: Meine dortigen Erfahrungen haben mir weitergeholfen. Es kam zu einer Art spirituellem Erwachen als ich in Einzelhaft saß. Alles in allem kann man im Knast am besten lernen, ein besserer Krimineller zu werden, wenn man das will. Inzwischen ist das Geschichte: Es gibt einen anderen Sinn in meinem neuen Leben.

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FD: Eine Firmengründung ist nicht einfach: Wie bist du mit Hürden umgegangen und hast beispielsweise Banken davon überzeugen können, dir als Ex-Häftling einen Kredit zu geben?

CM: Den einzigen Rückhalt, den ich hatte, kam von meiner Familie, Freunden und das war’s. Aktuell bin ich damit beschäftigt mehr Geld aufzutreiben. Über Kickstarter konnten wir fast 30.000 Dollar einsammeln. Und ein großer Investor ist in Aussicht, aber das alles braucht noch etwas Zeit.

FD: Befinden sich unter den ConBody-Teilnehmern auch Stars?

CM: Ja. Stephen Lang, Larry David – nur um einige zu nennen, und einige Models.

Wir sind doch alle nur ganz normale Menschen – niemand ist perfekt. Irgendwann macht jeder mal etwas falsch. 

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FD: Du beschäftigst Ex-Häftlinge unter anderem als Trainer. Machst du es um ihnen eine zweite Chance zu geben oder möchtest du ein gutes Vorbild abgeben?

CM: Ich möchte die Vorurteile gegenüber ehemaligen Inhaftierten abbauen. Und ich will ihre Sicht auf sie und ihre Möglichkeiten verbessern. Wir sind doch alle nur ganz normale Menschen – niemand ist perfekt. Irgendwann macht jeder mal etwas falsch. 

FD: Sind Ex-Häftlinge die besseren, kurz: loyaleren Angestellten?

CM: Innerhalb der letzten vier Jahre, die ich die Firma leite, hat noch kein einziger Mitarbeiter gekündigt. Alle sind so hungrig und wollen die Firma voranbringen und ein Teil von ihr sein.

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FD: Liegt das vielleicht daran, dass Du ein guter Chef bist?

CM: Ich versuche es zumindest, muss aber auch noch viel dazu lernen. Im Führen von Leuten bin ich besonders gut und die Leute mögen mich. Die meisten Angestellten hingegen hassen ihre Vorgesetzten. Bei uns fühlt sich jeder wie in einer Familie und nicht wie ein Angestellter.

FD: Dein Ehrgeiz und harte Arbeit haben sich ausgezahlt: Was kommt als Nächstes? Bringst du ConBody nach Europa?

CM: Anfang 2019 wird es ConBody in London geben. Danach? Frankreich, Deutschland, Süd-Amerika. Ich brauche dafür noch etwas Geld. Aber ich schaffe das.

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An dieser Stelle möchte sich Finanzdiva bei Coss Marte für das Interview bedanken.

Destination CEO: Coss Marte – Zum original Interview auf englisch geht’s hier

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