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Leben und leben lassen!

Kat€’s Immobilien-Check

Wir haben einen unwirklichen Zustand der Zivilisation erreicht. In Europa sind wir seit mehreren Jahrzehnten existenziellen Ängsten entwachsen und seitdem scheinen wir uns nur noch in unserem eigenen Leben zu langweilen. Wie sonst kann es sein, dass die eigentliche Grundmotivation, die unser Leben über Jahrmillionen bestimmt hat, nichts mehr bedeutet? Die Entscheidungen über Kampf oder Flucht, Nahrungsbeschaffung, Schlaf und Kinderaufzucht wurden einfach durch wichtigere Dinge ersetzt.

Wann genau haben wir zugelassen, dass man auf Güter wie Nahrung und Wohnraum spekulieren darf?

Batman, Bismarck, ฿illionaires…

Kaum etwas nimmt weltweit eine solch gravierende Fehlentwicklung wie die Verteilungsgerechtigkeit. Trotzdem möchten wir gerne ein reines sozio-ökonomisches Gewissen haben. Und das in dem vollen Bewusstsein, dass jeder von uns Schuld auf sich geladen hat. Unser Über-Ich hätte gerne den Wohnzimmertisch aus angespültem Treibholz, unserem Ich ist klar, dass dafür das Geld nicht reicht und unser Es reißt eh schon dauernd Witze über die Abholzung des Regenwaldes. Wann aber genau haben wir zugelassen, dass man auf Güter wie Nahrung und Wohnraum spekulieren darf? Und mit welch irrationaler Argumentation verteidigen wir diese Positionen? Dass ein Fürst von Bismarck Ende des 19. Jahrhunderts ein großes Interesse hatte, Eigentumsrecht weit über körperliche Unversehrtheit zu stellen, ist mehr als nachvollziehbar. Schließlich hatte er auch mit am meisten zu verlieren.

In einem wirtschaftlichen Kollaps hätte niemand mehr zu verlieren als Bruce Wayne!

Auch wenn sich Batman als Held feiern lässt, weil er jede Nacht durch die Straßen von Gotham City zieht um Kriminelle zu verprügeln, die das Wirtschaftssystem dieser Metropole zerschlagen wollen, frage ich mich: Warum tut er das wirklich? Klar finde ich seine Mission im ersten Moment löblich. Aber hast du schon einmal daran gedacht, dass er das nicht aus Idealismus tun könnte? Vielleicht sind seine Taten schlicht und einfach eine Folge seines kapitalistischen Antriebs. Schließlich hätte in einem wirtschaftlichen Kollaps niemand mehr zu verlieren als Bruce Wayne!

Ich finde es verwerflich, dass Menschen mit Geld und Besitz aus grauer Vorzeit das Leben der Unter- und Mittelschicht weiterhin nach Belieben bestimmen dürfen.

Wir erleben seit Jahren eine Periode ohne Festgeldzinsen. Banken zu retten sei alternativlos gewesen, hieß es. Insolvente und korrupte Staaten in eine Währungsunion zu bündeln und später den Kapitalmarkt mit Geld zu überschwemmen wurde uns ebenso als notwendig verkauft. Innenstädte mit asiatischen Fahrrädern zu überschwemmen ist prinzipiell legal – die aktuell durch Wutbürger herbeigeführte Modifikation an ihnen jedoch keinesfalls Kunst, sondern purer Vandalismus. Und überhaupt kann der Staat eh nichts gegen Eigentum unternehmen. Wieso sind wir alle eigentlich so unreflektiert bereit dazu all diese Dinge als gegeben hinzunehmen?

Kaum jemand kann sich zu den aktuellen Immobilienpreisen eine Wohnung oder ein Haus leisten. Warum aber sind wir alle so erpicht darauf, den wenigen Superreichen und Immobilienfonds die Wohnung zu überlassen, in denen wir und unsere Kinder letztendlich leben müssen? Mit der Übereinkunft, dass die Todesstrafe nicht mehr zu unserer gesellschaftlichen Norm zählen darf, haben wir indirekt auch das Recht auf Leben anerkannt. Trotzdem sind wir bereit uns aufzuarbeiten um die Miete bezahlen zu können und nehmen diesen Zustand als unveränderlich hin. Politiker beteuern dauerhaft, dass sie diesen Zustand nicht zu ändern vermögen und wir glauben es blind, wie die viel zitierte Schafsherde. Und das alles nur in der Hoffnung, dass man uns das Kapital oder die Besitztümer auch einmal lassen würde, wenn wir selbst 100 Wohnungen in der Berliner Innenstadt besitzen würden. Menschen die aufgrund von spekulativen Investments internationaler Immobilienfonds aber nicht mal eine Wohnung erwerben können, werden niemals Immobilienmogul werden. Und trotzdem sind die ärmsten Deutschlands bereit für die Interessen der reichsten Menschen einzutreten.

Foto ©Photogenika.de

Ich hätte einen einfachen Lösungsvorschlag um regionale Probleme zu lösen. Jeder in einer deutschen Region oder Stadt lebende volljährige EU-Bürger darf sich eine Wohnung oder ein Haus kaufen. Das kann so groß sein wie es mag, solange es allein zum Eigenbedarf genutzt wird. Man zahlt darauf 1€ Steuern pro Monat. Das reicht nicht? Dann darf man gerne auch eine zweite Liegenschaft erwerben. Für diese zahlt man dann aber 10€ Steuern im Monat. Es braucht noch ein Ferienhaus am Starnberger See?  100€ pro Monat! Vielleicht noch eine repräsentative Wohnung im Diplomatenviertel in Berlin? 1000€ pro Monat! Mit jeder weiteren Wohnung hängen wir einfach eine 0 dran. Spätestens ab dem fünften oder sechsten Grundstück wird es auch dem Vorstandsvorsitzenden einer Privatbank zu dumm, auf die Wohnungsnot anderer Menschen zu spekulieren.

Für die besonders schlauen und findigen Menschen könnte man eine smarte Klausel einfügen. Sollte nachgewiesen werden, dass man den ideologischen Kern dieser Idee aushöhlt und mit irgendwelchen Scheinfirmen hintergeht indem man Wohnungen auf in Indonesien lebende Schwiegermütter oder Hauskatzen zulässt, werden diese einfach zwangsenteignet – der Whistleblower bekäme das Vorkaufsrecht. Dem kann man sicher entgegenhalten, dass es ungerecht sei, rechtmäßig erworbene finanzielle Errungenschaften aus Kriegen, Krisen, Postkutschenraubzügen, Elend und Leid der letzten Jahrhunderte einfach so hinwegzufegen. Ich hingegen finde es verwerflich, dass Menschen mit Geld und Besitz aus grauer Vorzeit das Leben der Unter- und Mittelschicht weiterhin nach Belieben bestimmen dürfen. Das hat wenig mit Kommunismus zu tun, sondern lediglich mit der existenziellen Not ein Dach über dem Kopf zu haben und seine Kinder am eigenen Wohnort aufziehen zu können. Und letztendlich wäre auch niemand in seinem Konsumwahn eingeschränkt. Man könnte jederzeit 8 Wohnungen besitzen. Für insgesamt 11.111.111€ Steuern halt – IM MONAT…

Herzliche Grüße,

Deine Kat€

Destination Finanzdiva-Kolumne!

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