Now Reading:

Ich bin ein Glückspilz!

Wie in einer Ehe muss man irgendwann einmal den Schritt wagen zu sagen „Ich vertraue dir, auch wenn ich weiß, dass jede 3. Ehe geschieden wird!“

Du fragst jetzt bestimmt „WAS’N PASSIERT?!“. Nun, trotz einiger historischer Versuche meiner Mitmenschen das zu ändern, bin ich glücklicherweise die zweite Generation des deutschen Volkes, die von sich behaupten kann, dass sie unfreiwillig niemals einen bewaffneten Krieg miterleben musste. Selbstverständlich gibt es mittlerweile auch wieder Soldatinnen und Soldaten der Deutschen Bundeswehr, die an Kampfhandlungen teilgenommen haben. Diese tapferen Frauen und Männer wurden jedoch nicht dazu gezwungen, sondern waren als Zeit- oder Berufssoldaten freiwillig dazu bereit, diesen Beruf auszuüben. (Grundwehrdienstleistende wurden gegen ihren Willen nicht in Auslandseinsätze geschickt.)

Der Posten „Verteidigung“ ist mit fast 35 Milliarden Euro der zweitgrößte Etat-Brocken des Bundeshaushalts.

Persönlich liegt mir nicht viel an militärischen Auseinandersetzungen. Ich bin jedoch der Meinung, wenn man sich ein Heer leisten möchte, dass die Soldatinnen und Soldaten mit einem 1A-Training und der bestmöglichen technischen Ausrüstung in den Dienst gehen sollten. Der Posten „Verteidigung“ ist aktuell mit fast 35 Milliarden Euro der zweitgrößte Etat-Brocken des Bundeshaushalts. WTF! Und sofern man den eigenen Medien Glauben schenken darf, reicht es trotzdem hinten und vorne nicht, um eine funktionierende Bundeswehr auf die Beine zu stellen. Hierzu möchte ich einmal ein paar Gedanken loswerden.

Aus Mangel an Alternativen wird uns Russland als Bedrohung geschildert.

1. Ein großes stehendes Heer braucht man nur in Anbetracht einer realen Bedrohung. Gerne wird uns, aus Mangel an besseren Alternativen, Russland als diese Bedrohung geschildert. Europa kann nicht ohne Russland und Russland kann nicht ohne Europa. Allein die geopolitische Nähe wird uns niemals dauerhaft trennen können. Vor diesem Hintergrund muss die Frage erlaubt sein, ob und inwieweit beide Seiten (abgesehen von medialer Berichterstattung) tatsächlich bereit wären, einen militärischen Konflikt auszutragen, der in seinem letztendlichen atomaren Schrecken keinen Gewinner hervorbringen kann.

Die  einzig wahren Verlierer meines Gedankenspiels sind die national protegierten Rüstungsunternehmen.

2. Europa könnte locker das drittgrößte Militärbudget der Welt stellen. Vorausgesetzt, die öffentlich zugänglichen Daten stimmen, und man addiert die vier größten europäischen Industrieländer zusammen, wäre noch Platz nach oben. Sollte man sich jemals mit Russland einig werden, würde es Europa sogar schaffen, China vom 2. Platz zu verdrängen. Und trotz eines Etats von weit über 200 Milliarden US Dollar hätte eine europäische Armee damit lediglich etwa ein Drittel der US amerikanischen Rüstungsausgaben erreicht. Die  einzig wahren Verlierer eines derartigen Gedankenspiels sind die national protegierten Rüstungsunternehmen. Schließlich ist es ja gute Sitte, dass jedes Land, sofern es industriell kann, ausschließlich bei seinen eigenen Unternehmen und im Bedarfsfall maximal noch bei den USA shoppen geht. Unterm Strich müsste man sich einen deutschen Soldaten mit einem französischen Klappspaten und einen italienischen Soldaten in einer in Spanien gefertigten Uniform vorstellen. Letztendlich wäre es egal, da wahrscheinlich mittlerweile eh alles in China produziert wird…

Und trotz eines Etats von weit über 200 Milliarden US Dollar hätte eine europäische Armee damit lediglich etwa ein Drittel der US amerikanischen Rüstungsausgaben erreicht.

3. Nationalismus hat Europa fast an den Rand des Abgrundes gebracht. Und trotzdem halten wir in existenziellen Teilbereichen weiterhin am Gedankengut des Nationalstaates fest. Ich bin überzeugte Europäerin und habe das Gefühl, dass sich keine Nation in Europa dauerhaft und unabdingbar dem europäischen Gedanken verpflichten möchte. Das Grundproblem ist, dass aus historisch gewachsenen Vorurteilen keiner dem anderen wirklich und in letzter Konsequenz vertraut. Aber wie in einer Ehe muss man irgendwann einmal den Schritt wagen zu sagen „Ich vertraue dir, auch wenn ich weiß, dass jede 3. Ehe geschieden wird!“ 

Was, wenn die Bundeswehr nicht mehr als gezwungener Arbeitgeber für unvermittelbare Arbeitnehmer und Stützer für strukturschwache Gegenden herhalten muss?

Man muss sich einfach selbst hinterfragen, ob man noch einmal richtig Lust auf Terror, Krieg und Blutvergießen hat. Ob man wieder einmal gegen bekannte oder unbekannte französische Familienväter in den Krieg ziehen möchte um französische Frauen zu Witwen zu machen und umgekehrt. Wenn man hierauf keine Lust hat, ist es unverständlich, wieso der Verteidigungsposten nicht längst in zumindest eine französisch-deutsche oder deutsch-französische Armee, wenn nicht gleich in eine europäische Armee umgewandelt wurde. Einzelne Teilstreitkräfte könnten komplett unter die Organisation eines Staates fallen, wie z.B. Schiffe und Marine für Frankreich und die Truppengattung und Karriere steht im Gegenzug dafür jedem Soldaten des anderen Landes bei Kenntnis der Sprache offen. Am besten sogar noch unter Rückgabe des nationalen Ausweisdokumentes und Erhalt eines europäischen Passes, für den ich überdies seit Langem bin. Wo wäre das große Problem dabei? Man würde Überkapazitäten abbauen und Kompetenzen klar verteilen. Dafür müsste man seinem Gegenüber aber wirklich vertrauen. Ist das tatsächlich unser einziges Problem? Diese ewige Angst, unsere Verbündeten könnten uns militärisch ausbooten? Selbstverständlich müsste man dann dem einen oder anderen Partner in Fragen der Sicherung des Uran-Nachschubs aus Afrika militärisch beistehen, aber das machen wir ja eh schon.

4. Wie du mir so ich dir? Sicher ist sicher! Nach Abgabe und NACH ERHALT von diversen militärischen Teilkompetenzen könnte man sich vielleicht darauf einigen, dass jedes partizipierende europäische Land (aus innerer Paranoia) noch ein mit Atomwaffen bestücktes U-Boot in der Arktis verstecken darf, sodass im Fall der Fälle doch noch ein atomarer Zweitschlag möglich wäre.

5. Und zu guter Letzt: Es bleibt die Frage, was man mit den freigewordenen Arbeitsplätzen und dem Geld machen könnte. Kurz: Was, wenn die Bundeswehr nicht mehr als gezwungener Arbeitgeber für unvermittelbare Arbeitnehmer und Stützer für strukturschwache Gegenden herhalten muss? Man könnte damit Arbeitsplätze in Erziehung,- Bildung,- und Pflege fördern. Und auf längere Sicht wird auch der ortsansässige Metzger wieder seine belegten Semmeln verkaufen können.

In diesem Sinne Glückauf,

Deine Kat€

Input your search keywords and press Enter.