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Das bin ich WERT! Madlen Graf verrät..

Wieviel Kohle Influencer wirklich machen

Ein Blogger, der permanent gesagt bekommt, dass er die geilste Sau der Welt ist, verliert schnell den Blick für die Realität.

Madlen Graf

Madlen Graf, 29, kennt das Geschäft von beiden Seiten: Die Leipzigerin arbeitet hauptberuflich als Marketing-Managerin und kooperiert regelmäßig mit Influencern. Seit 2015 hat sie ihren eigenen Blog: Auf „Madlèn Bohème“ schreibt sie über Mode, Beauty, Reisen, aber auch ganz ehrlich über ihre persönlichen Erfahrungen mit Depressionen.

FD: Ab wie vielen Klicks wird ein Blog für Unternehmen interessant?

MG: Das ist schwer zu beantworten und kommt auch auf die Ausrichtung an: Wenn man eine Nische bedient, werden Brands schnell aufmerksam. Mit einem klassischen Mode-Blog dauert es länger. Grundsätzlich spielt ein Blog schon ab 100 oder 150 Klicks pro Tag für Unternehmen eine Rolle.

FD: Wieviele Klicks hast du?

MG: Im Schnitt 15.000 pro Monat. Ab 10.000 kommen automatisch mehr Angebote rein.

FD: Wieviele bekommst du so?

MG: Es gibt Monate, da kriege ich nur zwei bis drei Kooperationsanfragen, es können aber auch bis zu sieben pro Woche sein.

FD: Und wieviele Follower braucht man auf Instagram?

MG: Da gibt es die magische Zahl von 10.000. Erst ab da kannst du als Accountbesitzer auch spezielle Funktionen nutzen wie zum Beispiel den „swipe up“ in den Insta-Stories, mit dem du direkt zu einer Website verlinken kannst. Das ist für Blogger eine schnelle Möglichkeit, Geld zu verdienen. Social Postings, also Instagram-Posts und Insta-Stories, werden immer häufiger für großen Summen eingekauft.

FD: Es gibt Agenturen, die Influencer und Firmen zusammenbringen. Bist du da registriert?

MG: Nein. Wenn ich ein Produkt gut finde, schreibe ich das Unternehmen direkt an und frage, ob eine Kooperation möglich wäre. Genauso machen die es ja auch!

FD: Wieviel kann man als Influencer in deiner Liga verdienen?

MG: Die Unternehmen haben sehr unterschiedliche Preismodelle: Bei mir war zwischen 50 und 700 Euro schon alles dabei. Anfangs habe ich einen Blogbeitrag mit Insta-Posting für 150 Euro geschrieben. Jetzt gibt es auch schon 300 Euro nur für ein Insta-Posting. Natürlich habe ich mittlerweile gemerkt, wo mein Wert liegt. So dass ich sagen kann: Unter Betrag X läuft gar nichts.

FD: Was ist denn drin, wenn man Caro Daur heißt?

MG: Influencer wie sie bekommen für ein Posting auf jeden Fall fünfstellige Beträge. Das ist extrem.

FD: Muss ich genau wissen, worüber ich schreiben will, bevor ich einen Blog starte?

MG: Das wichtigste ist, dass du’s machst, weil du Bock darauf hast. Schreib offen über die Themen, die dich bewegen. Authentizität und Ehrlichkeit – das fehlt in der Bloggerszene. Man muss sich einfach ausprobieren. Ich habe nach und nach meinen eigenen Stil gefunden. Aufgrund des Feedbacks, das ich bekommen habe und, weil ich mich schnell in der Leipziger Bloggerszene vernetzt habe.

FD: Warum ist das so wichtig?

MG: Wir tauschen uns viel aus, reichen Kontakte weiter oder holen uns bei Kooperationen gegenseitig ins Boot.

FD: Wie oft muss man posten?

MG: Anfangs sollte man zwei- bis dreimal pro Woche den Blog bespielen, bis man sich einen Namen gemacht hat. Später nimmt’s dir keiner übel, wenn du auch mal nur alle ein bis zwei Wochen einen Beitrag raushaust. Wenn ich keine Zeit für einen intensiven Blogbeitrag habe, mache ich ein längeres Insta-Posting.

FD: Wie kommt man überhaupt an Follower?

MG: Wenn es da ein einfaches Rezept gäbe, würde es bei jedem klappen!

FD: Selber liken hilft sicher, oder?

MG: Klar! Ich habe am Anfang viel kommentiert und gelikt. Das gehört dazu. Aber es frisst ungemein viel Zeit und mir ging es nach einer Weile auf den Keks. Es ist definitiv eine Variante, um Leute auf seinen Instagram-Account aufmerksam zu machen. Stellt sich nur die Frage, ob die bleiben. Natürlich schummeln viele.

FD: Indem sie Follower kaufen?

MG: Das ist viel verbreiteter, als es Unternehmen bewusst ist. Da wird oft Geld rausgeschmissen für Posts, die gar nichts bringen.

FD: Kennzeichnest du Werbe-Posts als solche?

MG: Ja, klar. Da gibt’s auch neue Auflagen und es ist genau festgelegt, wie Werbung gekennzeichnet werden muss. Aber ich habe das schon immer gemacht. Was mir aufgefallen ist: Je offener man das Thema mit seiner Community angeht, desto weniger negative Reaktionen kommen. Ich habe zum Beispiel eine einjährige Partnerschaft mit dem britischen Modelabel „New Look“. Ich darf mir für einen Betrag X jeden Monat Kleidung raussuchen und bekomme zusätzlich ein Honorar. Ich habe das in einer Insta-Story ganz deutlich angekündigt. Das Feedback war total positiv.

FD: Woran liegt das?

MG: Man kann einen Großteil gesponserte Beiträge machen – das muss man ja auch, wenn man hauptberuflich davon leben möchte. Aber es muss eben passen und es kommt darauf an, wie man die Kooperation umsetzt. Das unterscheidet für mich einen guten von einem schlechten Blogger.

FD: Blogger, die Schleichwerbung betreiben, müssen inzwischen mit hohen Strafen rechnen.

MG: Das finde ich auch richtig! Die Leute haben die Schnauze voll von Blogger-Schleichwerbung. Sie fühlen sich verarscht. Wenn aber sofort klar ist, das ist ’ne Werbung, kann jeder für sich entscheiden, ob er sich das angucken möchte, oder eben nicht. Letztes Jahr hat die sehr bekannte Novalanalove auf Snapchat verkündet, dass sie es nicht für nötig hält, Werbung als solche zu kennzeichnen. Da dachte ich: Mädel, bei dir läuft’s aber auch ein bisschen schief…

FD: Hast du dir jemals juristischen Rat geholt?

MG: Nein, bisher hat es gereicht, wenn ich mich mit erfahrenen Bloggern ausgetauscht habe. Zum Beispiel wegen des Impressums auf meinem Blog oder bei Instagram-Gewinnspielen.

FD: Wie entscheidest du, welche Kooperationen du annimmst?

MG: Das ist erstmal eine Frage der Zeit: Man darf den Aufwand, den man als Blogger hat, nicht unterschätzen. Vor allem, wenn man wie ich noch einen normalen 40-Stunden-Job hat.

FD: Wieviel Stunden investierst du pro Woche für deine Influencer-Aktivitäten?

MG: Im Durchschnitt 20. Wenn ich mich dazu entschließen würde, meinen festen Job nur noch halbtags zu machen, könnte ich mehr bloggen und aktiver Akquise betreiben. Aber ich bin aktuell noch zu sicherheitsbedürftig, als dass ich den Weg in die Selbstständigkeit antreten wollen würde. Auch, weil ich denke, dass es das Influencer-Marketing zwar weiter geben wird, aber der Markt übersättigt ist und bald gewisse Blasen platzen könnten.

FD: Warum?

MG: Weil vielen Bloggern, aber speziell Instagramern und Youtubern, nicht klar ist, dass es sich mittlerweile um ein Business handelt. Manche sind extrem unprofessionell in Sachen Kommunikation.

FD: Wie schnell hebt man in diesem Geschäft ab?

MG: Der Hype hat sich negativ auf gewisse Charaktere ausgewirkt. Ein Stück weit kann ich das verstehen: Wenn du permanent von Brands und Agenturen gesagt bekommst, dass du die geilste Sau der Welt bist und deine Anwesenheit bei Events tausende von Euro wert ist, kann ich mir vorstellen, dass man den Blick für die Realität verliert. Natürlich gibt es auch ganz tolle Gegenbeispiele.

FD: Würdest du gerne vom Bloggen leben?

MG: Ich fände es spannend, weil es einen gewissen Grad an Freiheit bedeuten würde. Aber ich hätte keine Lust darauf, wenn das bedeuten würde, dass ich ständig über bestimmte Lippenstifte und Shampoos schreiben müsste.

Interview: Anna Butterbrod

An dieser Stelle möchte sich Finanzdiva bei Madlen Graf für das Interview bedanken!

#So schön! Meet Madlen beim Shooting! 

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